Wie ist Ihre Position zu der 4,5-%-Honorarkürzung psychotherapeutischer Leistungen?
Sehr geehrter Herr Audretsch,
ich möchte Sie um eine Stellungnahme zur geplanten Kürzung der Vergütung psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 % ab dem 01.04.2026 bitten.
Angesichts steigender Zahlen psychischer Erkrankungen und bereits langer Wartezeiten auf Therapie erscheint eine Absenkung der Vergütung schwer nachvollziehbar und potenziell versorgungsgefährdend.
Daher meine Fragen an Sie:
- Wie positionieren Sie sich zu dieser Honorarkürzung?
- Werden Sie sich dafür einsetzen, dass das Bundesgesundheitsministerium den Beschluss prüft bzw. beanstandet?
- Unterstützen Sie eine gesetzliche Klarstellung im Sozialgesetzbuch, die eine angemessene Vergütung psychotherapeutischer Leistungen sicherstellt?
- Unterstützen Sie den Ausbau psychotherapeutischer Leistungen?
Vielen Dank für ihre öffentliche Antwort
Sehr geehrte Frau M.,
vielen Dank für Ihre Frage, die ich hiermit gerne beantworte.
Die Absenkung der Vergütung für psychotherapeutische Leistungen vor dem Hintergrund bestehender Versorgungsengpässe ist völlig inakzeptabel. Nach Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses vom 11.03.2026 sinkt die Vergütung ab 1. April um 4,5 Prozent. Das ist ein unverständliches Signal, gerade für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die GKV-Patient*innen behandeln. Für uns Grüne ist klar: Psychotherapie muss angemessen bezahlt werden.
Honorarvereinbarungen liegen grundsätzlich in der Selbstverwaltung und sollten nicht politisch bestimmt werden. Dennoch kritisiere ich diese Entscheidung ausdrücklich. Angesichts steigender Nachfragen, überlanger Wartezeiten und des hohen wirtschaftlichen Drucks für Praxen ist eine pauschale Kürzung kontraproduktiv und gefährdet die Versorgung. Stattdessen brauchen wir nachhaltige Reformen und strukturelle Verbesserungen. Solche pauschalen Kürzungen lösen die Fehlsteuerungen im System nicht.
Die psychische Belastung, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, nimmt zu und das Hilfesystem erreicht vielerorts seine Kapazitätsgrenzen. Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen in Krisen monatelang auf passende Hilfe warten müssen. Wir Grüne fordern niedrigschwellige, passgenaue Zugänge, eine neue Bedarfsplanung sowie mehr Unterstützung und weniger Stigmatisierung.
Psychische Gesundheit darf nicht vom Versicherungsstatus abhängen. Wir Grüne setzen uns beständig für eine angemessene Finanzierung von Psychotherapeut*innen in Weiterbildung und eine bessere Versorgung ein.
Mit besten Grüßen
Andreas Audretsch

