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Adis Ahmetović
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Frage von Guenter K. •

Sterbehilfe: Werden Sie sich für ein solches pragmatisches Modell (wie nachstehend) einsetzen, das meine Autonomie achtet und bewährte Strukturen nutzt?

Sterbehilfe 2026: Pragmatismus statt Bürokratie

als Bürger Ihres Wahlkreises (30163) verfolge ich die Debatte zur Suizidhilfe. Das BVerfG-Urteil von 2020 ist für mich das Fundament: Mein Recht auf ein selbstbestimmtes Ende.

Wenn ich mit 85 entscheide, dass meine „Dienstreise“ beendet ist, ist das meine autonome Entscheidung. Ich akzeptiere ein Verfahren, das prüft, ob ich „alle Tassen im Schrank habe“ (Freiverantwortlichkeit), sowie eine Wartefrist. Ordnung schadet nicht, sie nützt der Rechtssicherheit.

Ich fordere für das neue Gesetz:

Keine neue Bürokratie: Legitimieren Sie erfahrene Organisationen (wie die DGHS) zur Umsetzung staatlicher Kriterien.

Transparenz: Ich bevorzuge klare „Preisschilder“ und professionelle Strukturen

Schutz: es braucht Rechtssicherheit für Ärzte und professionelle Bevollmächtigte, die meinen Willen umsetzen.

Werden Sie sich für ein solches pragmatisches Modell einsetzen, das meine Autonomie achtet und bewährte Strukturen nutzt?

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Antwort von SPD

Sehr geehrter Herr K., 

vielen Dank für Ihre Frage.

Die Frage der Suizidhilfe berührt grundlegende ethische, rechtliche und menschliche Dimensionen. Das von Ihnen angesprochene Urteil des Bundesverfassungsgerichts hat deutlich gemacht, dass das Recht auf ein selbstbestimmtes Lebensende Teil unserer freiheitlichen Ordnung ist. Dieses Recht zu achten und zugleich verantwortungsvoll mit möglichen gesetzlichen Regelungen umzugehen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe für den Gesetzgeber.

Ich nehme Ihre Sorge ernst, dass eine Regulierung in der Praxis zu Einschränkungen führen könnte. Genau deshalb ist es mir wichtig, dass wir im parlamentarischen Prozess sehr sorgfältig abwägen. Dazu gehört ausdrücklich auch, die bestehende Rechtslage, die heutige Praxis sowie die Erfahrungen aller Beteiligten einzubeziehen.

Zugleich möchte ich betonen, dass der Deutsche Bundestag diese Fragen traditionell ohne Fraktionszwang berät. Das ermöglicht es den Abgeordneten, allein ihrem Gewissen verpflichtet zu entscheiden. Die Debatten im vergangenen Jahr, die in fraktionsübergreifenden Gruppen geführt wurden, habe ich als sehr ausgewogen, respektvoll und konstruktiv erlebt. Dieser offene und differenzierte Austausch ist eine wichtige Grundlage für verantwortungsvolle Entscheidungen in einer so sensiblen Frage.

Sie sprechen einen zentralen Punkt an: Wir müssen den Dialog suchen. Gespräche mit Angehörigen, die einen solchen Weg begleitet haben, mit erfahrenen Organisationen sowie mit Ärzten und Pflegekräften sind unverzichtbar, um die Realität hinter den oft abstrakt geführten Debatten besser zu verstehen.

Ich bin dazu bereit die unterschiedlichen Perspektiven, die mir Menschen wie Sie aus meinem Wahlkreis mitgeben in diese wichtige Debatte in Berlin einzubringen.

Daher danke Ihnen nochmals für Ihr Engagement und Ihre Anregungen.

Mit freundlichen Grüßen

Adis Ahmetović, MdB

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