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Frage an Achim Weidner von Martina G. bezüglich Klima

Klimaneutral wie und bis wann?

Frage von Martina G. am
Thema
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Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 1 Tag 12 Stunden

Die „Klimaneutralität“ kann nicht an ein festes Datum geknüpft werden, weil
es sich um politische Zielvorgaben handelt, die auf Modellrechnungen
beruhen. Es ist durchaus möglich das nach oben oder unten korrigiert werden
muss oder kann.

Klimaneutralität ist dann gegeben, wenn bei der weiteren Energienutzung und
Energieumwandlung, kein weiteres CO2 in die Atmosphäre abgegeben wird. CO2
wird bei der Umwandlung von Kohle, Gas oder Öl in Verbrennungsprozessen
freigesetzt. CO2 fällt in den Sektoren an:

• Stromsektor

• Stoffliche Nutzung in der chemischen Industrie, Stahl- und
Zementherstellung

• Mobilität (Brennstoffzelle Pkw, LKW, Züge, Schiffe)

• Wärm- und Energiesektor (Heizung und Prozesswärme Industrie)

Ich denke vor dem Hintergrund, dass in den benannten Sektoren, erst die
Bereitstellung von klimaneutraler Technik (Stoffumwandlung, Speicherung,
Transport) zu klären ist, halte ich mich bei der Terminierung des Erreichens
der Klimaneutralität zurück.

Das wird ein langfristiger Entwicklungspfad, der im ersten Teilstück die
CO2-Reduktion zum Ziel hat (O-Emission). Wenn dies erreicht wird, muss das
bis dahin freigesetzte CO2, auf geeignete Art und Weise, wieder aus der
Atmosphäre entfernt werden. Eine Herkulesaufgabe und Generationenprojekt.

Es ist davon auszugehen, dass der Energiebedarf weiter steigen wird, sowohl
national als auch international. Es ist zu bedenken, dass die
Weltbevölkerung pro Monat in der Größenordnung der Stadt New York City
wächst. Dieses Bevölkerungswachstum wird weiterhin mit einer Nachfrage nach
Energie einhergehen.

Daraus ergibt sich die Frage, ob erneuerbare Energien (Photovoltaik und
Wind) ausreichen, den Energiebedarf in Deutschland, Europa und im globalen
Maßstab bereitzustellen. Will man klimaneutrale Energie gewinnen kommen,
insbesondere für die Grundlastabsicherung der Wasserstoff und Atomkraft in
Frage.

Bei Wasserstoff soll dieser "grün" sein. Das bedeutet, dass dieser aus
erneuerbaren Energien erzeugt wird. Beim "blauen" Wasserstoff geht es um die
Nutzung von Gas und die Verpressung des abgeschiedenen CO2, in tiefer
liegende Gesteinsschichten. Dies ist in Deutschland nicht erwünscht. Diese
Technologie wird aber insbesondere in den Niederlanden und Norwegen
favorisiert.

"Gelber" Wasserstoff wird aus der Nutzung der Kernkraft gewonnen. Dieser ist
CO2 neutral, aber aus politischen Gründen in Deutschland zurzeit nicht
mehrheitsfähig. Gleichwohl ist aber anzumerken, dass in der FFF-Bewegung
Stimmen laut wurden, in einer Übergangsphase auch Atomkraft zu nutzen.

Ich vertrete die Auffassung, dass eine CO2-Minderung durch den Verzicht auf
Kurzstreckenflüge sinnvoll ist, aber von der CO2 Gesamtbetrachtung nur
Symbolcharakter hat. Eine Dekarbonisierung durch die Deindustrialisierung
der Bundesrepublik halte ich für einen schädlichen und destruktiven Weg.

Ich vertrete vielmehr die Auffassung, dass gerade Deutschland, als "Land der
Dichter, Denker und Ingenieure", als Land des Maschinen- und Anlagenbaus,
durch Forschung und Produktion, die Mittel und Know-how bereitstellen kann,
einen Beitrag zu leisten, die Kurve der CO2-Freisetzung abzuflachen.

Deutschland sollte, gerade weil es schwierig ist, diesen Weg gehen. Dabei
sollte man sich nicht vom Argument erschrecken lassen, dass Deutschland nur
einen Bruchteil der CO2-Emmission in die globale Bilanz einbringt. Dieser
Weg ist auch deswegen zu wählen, weil hier der Schlüssel für den Wohlstand
der Nation liegt. Man kann der Welt zeigen, dass man CO2 einsparen kann und
trotzdem reich ist. Also Dritten aufzeigen, dass das Ganze mit einem Vorteil
verbunden ist.

Der Prozess auf dem Weg zur Klimaneutralität muss in Rückkopplungsschleife
von Recht, Technikentwicklung und Gesellschaftsvertrag erfolgen.

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