Welche konkreten Maßnahmen planen sie gegen den Fachkräftemangel und die Überlastung in den Einrichtungen?
Sehr geehrte Frau R.,
vielen Dank für Ihre Frage und vor allem für Ihre tägliche Arbeit in der frühkindlichen Bildung. Ich weiß, dass die Situation in vielen Einrichtungen angespannt ist. Der Fachkräftemangel ist dort nicht abstrakt, sondern bedeutet ganz konkret mehr Druck im Dienstplan, weniger Verlässlichkeit im Alltag und eine hohe Belastung für Beschäftigte, Kinder und Eltern.
Mir ist wichtig, das nicht schönzureden: Der Fachkräftemangel in Kitas und sozialen Einrichtungen lässt sich nicht durch eine einzelne Maßnahme kurzfristig lösen. Es braucht bessere Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie, mehr Ausbildung, gezielte Fachkräftegewinnung und eine stärkere Entlastung der Teams vor Ort.
Auf Landesebene sehe ich vor allem drei Punkte:
Erstens müssen Ausbildung und Gewinnung von Erzieherinnen und Erziehern weiter gestärkt werden. Dazu gehören attraktive Ausbildungswege, gute Praxisanleitung, bessere Übergänge in den Beruf und eine stärkere Werbung für soziale Berufe, gerade auch in der Lausitz. Junge Menschen müssen sehen, dass diese Arbeit gesellschaftlich gebraucht, politisch ernst genommen und beruflich verlässlich ist.
Zweitens müssen wir vorhandene Fachkräfte besser halten. Das bedeutet weniger unnötige Bürokratie, mehr Verlässlichkeit in der Finanzierung, praxistaugliche Vorgaben und einen genauen Blick darauf, welche Aufgaben pädagogische Fachkräfte tatsächlich selbst übernehmen müssen und wo Entlastung möglich ist. Die Beschäftigten dürfen nicht dauerhaft ausgleichen müssen, was strukturell nicht ausreichend geregelt ist.
Drittens müssen Land, Kommunen und Träger enger zusammenarbeiten. Gerade in Regionen wie Senftenberg und der Lausitz gibt es keine Standardlösung aus Potsdam. Wir brauchen Rückmeldungen aus den Einrichtungen, damit politische Entscheidungen nicht an der Praxis vorbeigehen.
Die Landesregierung hat sich vorgenommen, Brandenburg als Bildungsland weiterzuentwickeln und die Bildungsbiografie von der Kita bis zur Schule stärker zusammenzudenken. Dazu gehören bessere Übergänge zwischen Kita, Hort und Schule sowie verlässlichere Finanzierungsstrukturen. Gleichzeitig nehme ich die Kritik aus der Praxis sehr ernst, dass bisherige Regelungen noch nicht ausreichen, um die Belastung spürbar zu senken.
Deshalb möchte ich Ihre Frage gern nicht nur schriftlich beantworten, sondern mit Ihnen persönlich besprechen. Mich interessiert konkret, wo in Ihrer Einrichtung die größten Belastungspunkte liegen: Personalausstattung, Ausfallzeiten, Dokumentationspflichten, Finanzierung, Elternkommunikation oder Vorgaben im Alltag. Aus solchen Rückmeldungen lässt sich politisch besser ableiten, wo nachgesteuert werden muss.
Ich bitte daher um etwas Geduld und würde mich freuen, wenn wir dazu kurzfristig einen persönlichen Gesprächstermin vereinbaren können. Mir ist wichtig, dass Ihre Erfahrungen aus der Praxis direkt in die weitere politische Arbeit einfließen.
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Roick

