Was tun sie damit Patient:innen schneller in ambulante Behandlung wie bspw. Psychotherapie komme?
Hallo Vanessa Gronemann,
Vor dem Hintergrund der anstehenden Gesundheitsreform stelle ich mir die Frage wie nachhaltig eine Versorgung gestaltet sein kann. Täglich muss ich meiner Praxis Betroffenen und Angehörige sagen, dass ich keine Kapazitäten habe. Mit der Reform wird diese Lücke noch krasser. Was planen sie dagegen zu tun? Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrte Linda G.,
vielen Dank, dass Sie sich nicht nur beruflich, sondern auch politisch mit Ihren Nachfragen für eine bessere Versorgung von Menschen im Bereich der psychischen Gesundheit einsetzen. Zunächst möchte ich klar sagen: Es braucht mehr Kassensitze für Psychotherapeut*innen. Die Entscheidung, mehr Kassensitze zu schaffen, müsste vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gefällt werden. Ebenso ist die fatale Entscheidung, die Honorare von Psychotherapeut*innen nicht zu erhöhen, sondern seit dem 01.04.2026 zu kürzen, durch den Bewertungsausschuss getroffen worden, auf den wir im Landtag ebenfalls keinen Einfluss haben. Auf Landesebene in Hessen können wir über diese beiden Bereiche leider nicht entscheiden.
Es gibt einige Bereiche, in denen wir auf Landesebene handeln können, um psychotherapeutische Versorgung an anderer Stelle zu unterstützen. Wir wollen sicherstellen, dass regionale Gesundheitszentren und Trauma-Ambulanzen unterstützen, ebenso wie vorhandene Netzwerke, Selbsthilfegruppen, Vereine und regionale Beratungsstellen. Wir wollen auch Inhaftierten einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zu freiwilligen Psychotherapien und Suchttherapien ermöglichen. Weiterhin wollen wir unabhängige Beratungsstrukturen und die psychosozialen Zentren für Geflüchtete wollen wir stärken. Auch durch einen starken Ausbau der Schulpsychologie und der Schulgesundheitspflege wollen wir die Arbeit in multiprofessionellen Teams sowie die schulische Präventionsarbeit im Bereich (psychischer) Gesundheit stärken. Unser Ziel ist, für jede Schule ein festes und ausreichendes schulpsychologisches Angebot zu haben. Leider sind wir in Hessen derzeit in der Opposition und können die Landesregierung nur immer wieder mit politischem Druck und guten Argumenten auffordern, sich diesen wichtigen gesundheitspolitischen Themen zu widmen.
Als Gesamtpartei Bündnis 90/Die Grünen haben wir uns auf allen Ebenen – von der lokalen Arbeit in der Gemeinde oder Kommune, über die Landesebene, bis hin zum Bundestag dem Ziel verschrieben, dass jeder Mensch Zugang zu medizinischer und psychotherapeutischer Hilfe haben muss, ohne lange Wartezeiten, egal wo er oder sie lebt. So steht es auch in unserem Grundsatzprogramm. Dabei sollen eine umfassende Versorgungsplanung, Gesundheitsberichterstattung, eine Stärkung der Versorgungsforschung und die Aufwertung und Ausweitung der Kompetenzen in Gesundheits- und Pflegefachberufen helfen. Heilmittelerbringer*innen und gesundheitsnahe Berufe sind ein essenzieller Teil unseres Gesundheitssystems und müssen finanziell besser abgesichert werden. Die anstehende Gesundheitsreform auf Bundesebene ist meiner Meinung nach ein großer Schritt in die falsche Richtung. Das Gesundheitssystem braucht jetzt keine radikalen Sparmaßnahmen, sondern ein weitsichtiges, nachhaltiges Investitionspaket. Ein weiterer, sehr großer falscher Schritt ist dabei auch der generelle Abbau des Sozialstaats, den die aktuelle Bundesregierung aktuell vorantreibt. Auch prekäre Lebensverhältnisse machen in vielen Fällen krank.
Abschließend ist zu sagen, dass die aktuelle angespannte Versorgungslage mit ihren langen Wartezeiten auf Psychotherapie nicht länger ignoriert werden darf. Es braucht mehr Kassensitze für Psychotherapeut*innen, mehr lebensnahe Präventionsangebote und Psychotherapeut*innen und andere Gesundheitsberufe müssen finanziell besser abgesichert werden. Da wir leider weder auf Bundes- noch auf Landesebene in Regierungsverantwortung sind, werden wir uns in der Opposition darum bemühen, mit politischem Druck und guten Argumenten die Regierung endlich zum Handeln zu bewegen.
Mit freundlichen Grüßen
Vanessa Gronemann

