Man sieht mich im Treppenhaus des Abgeordnetenahuses vor einer weißen Wand stehen. Ich trage ein schwarzes T-Shirt, eine braune Jacke und lache.
Susanna Kahlefeld
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
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Frage von Yvonne M. •

Wie ist Ihre Position zu der 4,5-%-Honorarkürzung psychotherapeutischer Leistungen?

Sehr geehrte Frau Kahlefeld,

ich möchte Sie um eine Stellungnahme zur geplanten Kürzung der Vergütung psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 % ab dem 01.04.2026 bitten.

Angesichts steigender Zahlen psychischer Erkrankungen und bereits langer Wartezeiten auf Therapie erscheint eine Absenkung der Vergütung schwer nachvollziehbar und potenziell versorgungsgefährdend.

Daher meine Fragen an Sie:

- Wie positionieren Sie sich zu dieser Honorarkürzung?

- Werden Sie sich dafür einsetzen, dass das Bundesgesundheitsministerium den Beschluss prüft bzw. beanstandet?

- Unterstützen Sie eine gesetzliche Klarstellung im Sozialgesetzbuch, die eine angemessene Vergütung psychotherapeutischer Leistungen sicherstellt?

- Unterstützen sie den Ausbau psychotherapeutischer Leistungen?

Vielen Dank für ihre öffentliche Antwort!

Man sieht mich im Treppenhaus des Abgeordnetenahuses vor einer weißen Wand stehen. Ich trage ein schwarzes T-Shirt, eine braune Jacke und lache.
Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau M.,

wir teilen Ihre Sorge –  die Absenkung der psychotherapeutischen Leistungen im Hinblick auf die schon derzeit bestehenden Versorgungslücken ist höchst problematisch. 

Nach Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses am 11.03.2026 soll die Vergütung für psychotherapeutische Leistungen ab dem 1. April um 4,5 Prozent sinken. Es ist unverständlich, dass ausgerechnet Psychotherapeut*innen zukünftig weniger für die Behandlung von GKV-Versicherten erhalten sollen. Psychotherapeutische Arbeit muss adäquat finanziert werden.

In einer Situation, in der der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung stetig steigt, Wartezeiten für viele Patient*innen unzumutbar lang sind und Praxen zugleich unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehen, ist eine pauschale Honorarkürzung natürlich ein verheerendes Signal. Wenn Praxen wirtschaftlich unter Druck geraten und Fehlanreize zu Ungunsten von GKV-Versicherten entstehen, gefährdet das die psychotherapeutische Versorgung.

Durch vielfältige gesellschaftliche Krisen erleben wir derzeit einen Anstieg psychischer Belastungen, besonders unter Kindern und Jugendlichen. Das Hilfesystem wird der steigenden Nachfrage nach Unterstützungs- und Behandlungsbedarfen zunehmend nicht mehr gerecht und stößt schon heute an seine Kapazitätsgrenzen. Insgesamt sind die Zugänge zum Hilfesystem mit zu vielen Hürden belastet. Es ist nicht hinzunehmen, dass viele Menschen in einer psychischen Krise monatelang auf passende Hilfe warten müssen und die Suizidzahlen weiter steigen. Alle Menschen mit Hilfebedarf sollen im Bedarfsfall niedrigschwellige Zugänge zu passgenauen psychosozialen und therapeutischen Angeboten haben. Eine neue Bedarfsplanung ist überfällig. Unser Ziel sind mehr Hilfen und weniger Stigma. 

Psychische Gesundheit darf nicht vom Versicherungsstatus abhängen. 

Wir Grünen setzen uns darüber hinaus beständig für eine angemessene Finanzierung der Psychotherapeut*innen in Weiterbildung und eine Verbesserung der Versorgung ein! 


Mit freundlichen Grüßen,

Susanna Kahlefeld

Was möchten Sie wissen von:
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