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Stefan Schmidt
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Frage von Selina Z. •

Wann wird die Finanzierung der neuen Weiterbildung zum Fachpsychotherapeuten endlich geregelt?

Sehr geehrter Herr Schmidt,
mein Name ist Selina Z., ich wohne in Regensburg und studiere aktuell den M. Sc. Klinische Psychologie und Psychotherapie. 2019 wurde hier eine Reform beschlossen und umgesetzt - statt wie früher eine 3- bis 5-jährige, unbezahlte, ca. 20.000€ teure Ausbildung, gibt es jetzt den Direktstudiengang zur Psychotherapie im Master mit anschließender Approbationsprüfung und 5-jähriger, bezahlter Weiterbildung. Leider steckt genau hier das Problem: Es wurde gesetzlich(!!) festgelegt, dass die Ausbildung bezahlt werden muss, jedoch nicht, wer das zahlt. Jede Seite sträubt sich dagegen, Ausbildungsinstitute und Kliniken können es sich kaum leisten. Dadurch gibt es seit Jahren fertige und teilapprobierte Psychotherapeutinnen, die die Weiterbildung nicht antreten können. So laufen wir langfristig auf eine enorme Unterversorgung an Psychotherapeutinnen hinaus und unser Berufsweg wird blockiert.

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau Z.,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Die grüne Bundestagsfraktion und ich teilen Ihre Kritik und Ihre Sorgen. 
Wir Grüne haben schon lange eine Reform der Psychotherapeutenausbildung gefordert und finden, dass diese längst überfällig war. Wir brauchen eine Reform unter anderem wegen der schlechten oder nicht vorhandenen Bezahlung der praktischen Tätigkeit in der Ausbildung, der Eigenfinanzierung der Ausbildung und der unzureichenden Finanzierung der stationären Weiterbildung. Es ist deshalb gut, dass ein Gesetz zur Neuordnung der Psychotherapieausbildung erlassen wurde. Damit wurde ein Prozess abgeschlossen, der schon 2007 begonnen hat. Leider ist das Gesetz aber keine umfängliche Reform.

Ich stimme Ihnen zu, dass vor allem die Finanzierung der Weiterbildung der Psychotherapeut*innen durch das novellierte Gesetz nicht ausreichend geregelt wurde. 
Seelische Belastungen und Erkrankungen nehmen zu und so auch der Hilfebedarf. Schon jetzt finden nicht mehr alle Menschen die passenden Hilfsangebote, die Hilfen in seelischen Krisen benötigen.

Um den notwendige Hilfebedarf der Zukunft decken zu können, ist das Angebot von Psychotherapie durch hoch qualifizierte Psychotherapeut*innen unerlässlich. Dafür müsste dringend und zeitnah geregelt werden, wie die Weiterbildung finanziert werden kann. 

CDU/CSU und SPD erklären in ihrem Koalitionsvertrag, eine sichere Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung zu gewährleisten. Die Koalition hat im Rahmen eines Änderungsantrags zum Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege einen Regelungsvorschlag vorgelegt. Dieser Regelungsvorschlag greift allerdings zu kurz. 
Er ermöglicht zwar den Weiterbildungsambulanzen, direkt mit den Krankenkassen abzurechnen, was sinnvoll ist, würde aber zeitgleich für die Weiterbildungsambulanzen eine Unterfinanzierung dauerhaft festschreiben, weil nur Leistungen berücksichtigungsfähig wären, die direkt gegenüber Versicherten erbracht werden. Supervision, Selbsterfahrung und die Vermittlung spezifischer Fachkenntnisse sind unverzichtbare Leistungen und müssen deshalb in den Vergütungsverhandlungen berücksichtigt werden können. Der Vorschlag löst zudem nicht die Finanzierung der Weiterbildung in Praxen, Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und Kliniken. Die Möglichkeit, den Praxisumfang bei der Anstellung von Psychotherapeut*innen in Weiterbildung zu erweitern, ist ein Fortschritt. Darüber hinaus könnte eine Regelung für Psychotherapeut*innen analog zu der von Hausärzt*innen einen weiteren Lösungsansatz für den ambulanten Teil der psychotherapeutischen Weiterbildung in Praxen und MVZ darstellen. Derzeit sind von der Bundesregierung allerdings keine weiteren Regelungsvorschläge geplant, obwohl die Zeit drängt. Darüber hinaus bedarf es auch einer besseren Vernetzung bestehender Angebote und einen Ausbau niedrigschwelliger Hilfen wie Krisendienste, um die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung in Deutschland sicherzustellen.

Wie wir Grüne im Wahlprogramm von 2025 verankert haben, setzen wir uns in dieser Wahlperiode erneut für eine angemessene Finanzierung der Psychotherapeut*innen in Weiterbildung und eine Verbesserung der Versorgung ein.

Alles Gute für Sie und herzliche Grüße
Stefan Schmidt

 

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