Sigrid Beer
DIE GRÜNEN
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Frage von Pnebyvar Jnyqubss an Sigrid Beer bezüglich Umwelt

# Umwelt 02. Feb. 2011 - 20:42

Sehr geehrte Frau Beer,
Mich würd die detaillierte,wissenschaftlich fundierte Begründung für den Nationalpark interessieren. Ich kenne da bis jetzt nur Gegenargumente.

Ich zitiere "Für einen Nationalpark gelten jedoch strenge Auflagen. Nach internationalem Standard müssen drei Viertel der Fläche „Urwald“ sein und schließen sämtliche Nutzungen aus. Die Senne erreicht mit etwas über 60% diesen Standard (RINKE, 2010). Doch sind es ja weniger die Wälder, sondern vor allem die Freiflächen, die besonders schützenswert sind. Hier sollte der Schwerpunkt des Naturschutzes also nicht auf dem Erhalt und Schutz des Waldes liegen, sondern eher auf der Förderung der Kulturlandschaft mit ihrer spezialisierten Flora und Fauna. Auch außerhalb des Truppenübungsplatzes profitieren Arten wie der Ameisenlöwe durch offene Sandflächen, welche durch ständiges Befahren erhalten bleiben."

(Ein kurzer Auszug) Wie soll z.B. die notwendige Nutzung innerhalb der Regeln eines Nationalparks gewährleistet werden? und würde gerne die Argumente aller Seiten kennen, um mir ein Bild machen zu können. Ich danke Ihnen für Ihre Bemühungen.

Mit freundlichen Grüßen,

Caroline Waldhoff

Von: Pnebyvar Jnyqubss

Antwort von Sigrid Beer (GRÜNE)

Sehr geehrte Frau Waldhoff,

vielen Dank für Ihre Mail, in der Sie sich wegen der Nutzung der Senne innerhalb der Regeln eines Nationalparks erkundigen.

Erlauben Sie mir vorab folgende Ausführungen:
Die Senne ist ein unzerschnittenes Areal von über 11.000 ha Fläche, das seit über einhundert Jahren militärisch genutzt wird. Dazu kommen noch einmal über 8.000 ha angrenzende nationalparkwürdige Bereiche in Teutoburger Wald und Egge. Ohne Zersiedlung, ohne landwirtschaftliche Überformung hat sich in der Senne großflächig eine Landschaft erhalten, die seit der Einführung des Kunstdüngers in Mitteleuropa in dieser Dimension unwiederbringlich verloren ist. Besucher erleben schon jetzt eine Zeitreise in weite scheinbar ungenutzte Heideflächen und „hören“ eine Stille, die für die allermeisten eine völlig neue Erfahrung darstellt. Die Vielfalt der Lebensräume für Tiere und Pflanzen ist einzigartig. In Trocken- und Feuchtheiden, über Heidemoore bis hin zu Bruchwäldern und Eichen-Buchenwäldern leben mehr als 5.000 Pflanzen und Tierarten, von denen über 1.000 auf der „Roten Liste“ stehen. Für Zugvögel ist die Senne von überregionaler Bedeutung.

Dieses einzigartige Naturerbe gibt es zu erhalten und zu bewahren. Bündnis 90 / DIE GRÜNEN arbeiten seit Jahren gemeinsam mit Naturschutzverbänden, Friedensinitiativen und Bürgerinnen und Bürgern daran, diese außergewöhnliche Landschaft dauerhaft und nachhaltig zu sichern. Die Einrichtung eines Nationalparks Senne/Teutoburger Wald/Eggegebirge ist dafür das geeignete Mittel. Der Nationalpark Senne/Teutoburger Wald/Eggegebirge ermöglicht, sowohl die fachlichen Schutzziele sicher zu stellen als auch eine beträchtliche Wertschöpfung für die Region aus der touristischen Nutzung der Senne und der Senne-Umgebung zu generieren.

Zu der Nutzung eines Nationalparkes:
Nationalparke schließen den Menschen nicht aus: Jeder Nationalpark ist für die Bevölkerung auf Rad- und Wanderwegen zugänglich. Lediglich ökologisch besonders sensible Bereiche (Kernzonen) sowie Flächen mit einer Altlastbelastung werden weiterhin gesperrt bleiben müssen. In der Kernzone soll die Natur ohne störende Einflüsse des Menschen sich selbst überlassen werden, während in den anderen sogenannten Pflegezonen Eingriffe nötig sind (z.B. Heidepflege). Aber selbst durch die Kernzonen kann es Wanderweg geben, jedoch gilt hier ein striktes Wegegebot.
Im Zusammenhang mit der Nutzung des Nationalparks wird sehr häufig auch über die Auswirkungen auf die Wirtschaft diskutiert. Hier möchte ich auf die Stellungnahme der IHK aus 2006 verweisen und zitiere:
"Die Ausweisung eines Nationalparks in OWL wäre aus wirtschaftlicher Sicht mit vielen Vor- aber auch Nachteilen verbunden. Beachtet man einige Bedingungen, so könnte ein Nationalpark in einer gesamtwirtschaftlichen Bilanz eher positive Wertschöpfungseffekte auslösen und wäre damit aus Sicht des Standortes OWL ein Instrument der regionalen Wirtschaftsförderung. Die Ausweisung eines Nationalparks in OWL könnte dann eine Chance sein und die jeweiligen Vorteile der Antagonisten „Wirtschaftswachstum“ und „Landschaftsschutz“ vereinen." Siehe http://www.bielefeld.ihk.de/fileadmin/redakteure/standortpolitik/Verkehr...

Gern stehe ich Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung. Des Weiteren möchte ich auf eine Veranstaltung zum Nationalpark mit Minister Remmel am 19.2.11 in Paderborn hinweisen: http://www.gruene-paderborn.de/ und Sie hierzu herzlich einladen.

Mit freundlichen Grüßen

Sigrid Beer MdL

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