Setzen Sie sich dafür ein das GKV-Stabilisierungsgesetz aufgrund der verheerenden Auswirkungen auf psychotherapeutische Versorgung in dieser Form zu stoppen?
Sehr geehrter Herr Nouripour, sicher wissen sie um die geplanten Einspaarungen im Bereich der Psychotherapie. Kurz vor Abstimmung wurde nun noch ein Änderungsantrag eingebracht, der die Mindestvergütung für psychotherapeutische Leistungen abschaffen soll. Die geplanten Änderungen werden zu massiver Verschlechterung der psychotherapeutischen Versorgung führen. Psychische Erkrankungen heilen nicht von selbst aus. Sie chronifizieren, führen zu Arbeitsunfähigkeit und letztlich zu vermehrter langwieriger, stationärer Versorgung die ein vielfaches teurer wird als eine ambulante rechtzeitige Therapie. Bitte setzen Sie sich dafür ein das GKV Gesetz in dieser Form zu stoppen. Mit freundlichen Grüßen
Guten Tag,
vielen Dank für Ihr Schreiben zur psychotherapeutischen Versorgung.
Wir teilen Ihre Sorge ausdrücklich. Die bereits beschlossenen Honorarkürzungen sowie die im Zusammenhang mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz diskutierten Einschnitte sind angesichts der bestehenden Versorgungslücken in der Psychotherapie das völlig falsche Signal.
Schon heute warten viele Patient*innen monatelang auf einen Therapieplatz, während der Bedarf an psychotherapeutischer Unterstützung kontinuierlich steigt. Zusätzlicher wirtschaftlicher Druck auf die Praxen verschärft diese Notlage weiter. Wie Sie richtig ausführen, heilen psychische Erkrankungen nicht von selbst aus: Unzureichende Versorgungsangebote führen nicht nur zu individuellem Leid, sondern langfristig auch zu höheren gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Kosten durch Chronifizierungen, Arbeitsunfähigkeit und vermehrte stationäre Behandlungen.
Wir als Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen sind überzeugt, dass die psychotherapeutische Versorgung bedarfsgerecht ausgebaut und nicht weiter eingeschränkt werden darf. Notwendige Reformen im Gesundheitssystem dürfen nicht auf dem Rücken der Patient*innen oder der Versorgungsqualität ausgetragen werden.
Deshalb setzen wir uns für eine nachhaltige Stärkung der psychotherapeutischen Versorgung ein. Mit unserem Antrag „Psychotherapeutische Versorgung strukturell stärken“ (BT-Drucksache 21/4954) haben wir konkrete Vorschläge in den Deutschen Bundestag eingebracht. Dazu gehören unter anderem: eine grundlegende, am tatsächlichen Bedarf orientierte Reform der Bedarfsplanung, eine eigenständige Bedarfsplanung für Kinder und Jugendliche, der Abbau regionaler Versorgungsungleichheiten sowie die langfristige und verlässliche Sicherung der psychotherapeutischen Weiterbildung.
Den vollständigen Antrag finden Sie hier: https://dserver.bundestag.de/btd/21/049/2104954.pdf
Im weiteren parlamentarischen Verfahren werden wir uns weiterhin konsequent dafür einsetzen, Verschlechterungen in der Psychotherapie abzuwenden und für eine starke, flächendeckende und solidarisch finanzierte Versorgung einzustehen.
Mit freundlichen Grüßen
Team Nouripour

