Wie kann es sein, dass eine Vermögenssteuer (unter Berücksichtigung dass Reiche immer reicher werden) für z.B. Vermögen ab 200 Mio € nicht engeführt wird? Es gibt m.E. keien Argumente dagegen
Sehr geehrter Herr B.,
haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihre Frage zur Vermögensteuer.
Ich kann gut nachvollziehen, dass viele Bürgerinnen und Bürger angesichts steigender Vermögen einzelner Menschen die Frage stellen, ob sehr große Vermögen stärker zur Finanzierung staatlicher Aufgaben beitragen sollten. Die Diskussion über eine gerechte Verteilung der Steuerlast ist wichtig und gehört zu einer lebendigen Demokratie.
Aus meiner Sicht würde eine Vermögensteuer jedoch nicht nur die wenigen Menschen treffen, die über hohe liquide Privatvermögen verfügen. Sie würde auch zahlreiche familiengeführte Unternehmen erfassen, deren Vermögen überwiegend im Betrieb gebunden ist. Gerade in Deutschland besteht ein erheblicher Teil großer Vermögen aus Betriebsvermögen - also aus Produktionshallen, Maschinen, Grundstücken, Patenten oder anderen Unternehmenswerten.
Nehmen wir als Beispiel ein mittelständisches Familienunternehmen aus dem Maschinenbau mit mehreren hundert Beschäftigten. Über Jahrzehnte wurden Gewinne im Unternehmen belassen und in moderne Anlagen, neue Produktionsstandorte sowie Innovationen investiert. Dadurch kann das Unternehmen einen Wert von weit über 200 Millionen Euro erreichen. Dieses Vermögen liegt jedoch nicht als frei verfügbares Geld auf einem Bankkonto, sondern ist im Unternehmen gebunden. Müsste der Eigentümer jährlich eine Vermögensteuer zahlen, könnte dies dazu führen, dass Investitionen verschoben, Kredite aufgenommen oder sogar Unternehmensanteile verkauft werden müssten, um die Steuer überhaupt finanzieren zu können. Im schlimmsten Fall wären dadurch Arbeitsplätze und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens gefährdet.
Gerade Regionen wie der Mühlenkreis leben von leistungsfähigen Familienunternehmen, die oftmals seit Generationen Verantwortung für ihre Beschäftigten übernehmen, Ausbildungsplätze schaffen und ihre Gewinne vor Ort reinvestieren. Diese Unternehmen dürfen aus meiner Sicht nicht durch eine Substanzsteuer belastet werden, die unabhängig davon erhoben wird, ob in einem Jahr überhaupt Gewinne erzielt werden.
Hinzu kommt, dass Vermögen in Deutschland bereits an vielen Stellen steuerlich erfasst wird - etwa durch die Einkommensteuer auf Erträge, die Körperschaft- und Gewerbesteuer bei Unternehmen, die Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge sowie die Erbschaft- und Schenkungsteuer. Eine Vermögensteuer würde zusätzlich auf bereits versteuertes Vermögen erhoben werden.
Deshalb halte ich andere Maßnahmen für geeigneter, um eine solide Finanzierung des Staates sicherzustellen und gleichzeitig Wachstum, Investitionen und Arbeitsplätze zu fördern. Unser Ziel sollte sein, wirtschaftliche Leistung zu ermöglichen und gleichzeitig für einen leistungsfähigen Sozialstaat zu sorgen.
Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Nachricht und den offenen Austausch.
Mit freundlichen Grüßen

