Wie kann die Terminservicestelle die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung verbessern, wenn sie doch nur Termine vermittelt (und keine neuen Termine generiert)?
Sehr geehrter Herr Zippelius,
meines Wissens mussten zu Beginn der TSS allein in Baden-Württemberg 80 neue Stellen geschaffen werden. Diese Personen bekommen nicht nur Gehalt sondern benötigen auch noch Arbeitsmaterial. Die TSS wird zu einem großen Teil von den Beitragszahlern getragen. Als Beitragszahler frage ich mich wieso. Ich verstehe den Nutzen der TSS nicht, sehe aber sehr wohl die Kosten. Wäre es nicht besser, dieses Geld an Hausärzte zu zahlen, wenn diese an Fachärzte vermitteln? Können diese nicht besser einschätzen (als ein Verwaltungsangestellter), wie wichtig/dringend eine Weitervermittlung ist?
Einleitend möchte ich gerne kurz auf den Hintergrund und die Entstehungsgeschichte der Terminservicestellen (TSS) eingehen: Die ambulante Versorgung wird in Deutschland im Rahmen der Selbstverwaltung vor allem durch die Kassenärztlichen Vereinigungen organisiert. Sie betreiben die TSS, die rund um die Uhr telefonisch (116117) und digital erreichbar sind und bei entsprechender Überweisung innerhalb einer Woche einen Facharzttermin vermitteln sollen. Die Wartezeit sollte vier Wochen nicht überschreiten. Dennoch sind die Wartezeiten, besonders im ländlichen Raum, zuletzt gestiegen. Gleichzeitig steht unser Gesundheitssystem unter enormem Druck: Die Zahl der Behandlungsfälle steigt, ärztliche Zeit wird knapper und Facharztpraxen sind oft überlastet. Daher verstehe ich Ihre Nachfragen in diesem Bereich und kann Ihre Bedenken als Beitragszahlerin hinsichtlich der Kosten nachvollziehen. Dabei kann die Vermittlung allerdings nicht allein durch die Hausarztpraxen erfolgen. Bereits heute kämpfen die Praxen mit einer massiven Überlastung sowie mit einem Personalengpass. Die TSS trägt damit bereits heute zur Entlastung des Versorgungswesens bei. An der etablierten Struktur wollen wir deshalb festhalten, den Veränderungsbedarf sehen wir jedoch - genau wie Sie.
Um die Situation zielgenau zu verbessern, haben CDU/CSU und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart, die ambulante Versorgung unter Aufrechterhaltung und Einbindung der TSS strukturell weiterzuentwickeln. Geplant ist ein verbindliches Primärarztsystem bei freier Arztwahl. Hausarztpraxen beziehungsweise die Terminservicestellen sollen die medizinische Dringlichkeit einschätzen, Behandlungen koordinieren und gezielt überweisen. Ergänzend sind digitale Ersteinschätzungen und eine stärkere Zusammenarbeit im Praxisteam vorgesehen. Ein Berufsbild, das dazu kommen soll, ist das der Gesundheits- und Pflegeexperten. Ziel ist, Facharzttermine dort schneller verfügbar zu machen, wo sie medizinisch notwendig sind. Ich bin überzeugt, dass hierdurch Wartezeiten verringert und eine zielgenaue Vermittlung erreicht werden können.
Die Reform wird derzeit gemeinsam mit den Beteiligten erarbeitet; ein entsprechender Referentenentwurf ist bis zum Sommer vorgesehen. Unser Ziel ist klar: Unser Gesundheitssystem darf Patientinnen und Patienten nicht unnötig warten lassen, wenn medizinische Dringlichkeit schnelle Hilfe erfordert. Genau deshalb setzt sich die CDU insgesamt für eine kluge Primärversorgung ein.

