Warum soll Psychotherapie schlechter bezahlt werden?
Sehr geehrter Herr Röls- Leitmann,
ich bin ärztliche Psychotherapeutin seit 25 Jahren und sehe mit Sorge, dass die Psychotherapie immer schlechter bezahlt werden soll. Schon im April gab es eine Kürzung und jetzt sollen wir noch budgetiert werden ???? Gerade in den heutigen Zeiten ist PT wichtig und der Erfolg unterstützt die Wirtschaft. PatientInnen können wieder arbeiten gehen. Zudem kann Psychotherapie auch Menschen helfen die sonst in die Fänge von Sekten oder extremen Parteien kommen, indem das Selbstwertsystem bearbeitet wird und frühere beschämende Verletzungen bearbeitet werden. Menschen müssen nicht fanatisch werden, Straftaten können verhindert werden. Ich verweise auf Quellen des BVVP.
Nach 25 Jahren überlege ich meine Praxis für Psychotherapie zu schließen. Schon immer habe ich viel, viel weniger verdient als meine ärztliche Kolleg/Innen. Dies hat auch mit Diskriminierung von Frauen zu tun, die überwiegen.
Bitte setzen Sie sich für uns ein.
HG S. E., D.
Sehr geehrte Frau E.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und ihr Vertrauen in unsere Arbeit. Die Sorgen, die Sie schildern, nehmen wir ernst und wir teilen sie.
Der Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses, die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen ab April 2026 um 4,5 Prozent abzusenken, ist gerade in einer Zeit, in der psychische Erkrankungen zunehmen und der Bedarf an Behandlungsplätzen wächst, bedenklich.
Als Grüne Fraktion im Landtag NRW setzen wir uns für eine Gesundheitspolitik ein, die psychische und körperliche Gesundheit gleichwertig behandelt. Dazu gehört für uns ausdrücklich, frühzeitig und niedrigschwellig zu handeln - denn wer Menschen schnell und gut versorgt, verhindert Chronifizierung, Arbeitsausfall und langfristig weit höhere Kosten für das Gesamtsystem. Wer stattdessen an der Vergütung ambulanter Psychotherapie spart, droht genau diese Versorgung zu gefährden.
Auch dem Ausbleiben einer Stärkung der Psychotherapie durch die Finanzkommission Gesundheit der Bundesregierung stehen wir kritisch gegenüber. Auf Bundesebene haben wir daher bereits am 24.03. einen Antrag zur Stärkung der Psychotherapie eingereicht: https://dserver.bundestag.de/btd/21/049/2104954.pdf
Die dort enthaltenden Forderungen halten wir für grundlegend, um eine bedarfsgerechte psychische Versorgung sicherzustellen.
Wir verfolgen die weiteren Entwicklungen - darunter die angekündigten Klageverfahren sowie die geforderte Überprüfung der Berechnungssystematik bis September 2026- aufmerksam und werden das Thema politisch weiterhin adressieren.
Liebe Grüße
Michael Röls

