Martin Gerster
SPD
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Frage von Qvrex Naqerfra an Martin Gerster bezüglich Kultur

# Kultur 11. Nov. 2012 - 11:48

Würden Sie an Stefan Raabs POLIT-TALKSHOW „ABSOLUTE MEHRHEIT“ teilnehmen? Und falls nein, warum nicht?

Von: Qvrex Naqerfra

Antwort von Martin Gerster (SPD)

Sehr geehrter Herr Andresen,

vielen Dank für Ihre Frage. Die Antwort lautet "Nein", ich würde nicht teilnehmen. Warum nicht? Weil ich nicht glaube, dass das Format hilft, Politik besser zu vermitteln. Denn es reduziert die Politik auf Politikdarstellung, ohne einen tiefer gehenden Blick auf Probleme und Lösungsansätze bieten zu können.

Wie in anderen Talkshows auch diskutieren mehr oder weniger prominente Köpfe schlaglichtartig über mehr oder weniger populäre Themen der aktuellen Debatte - mit dem Ziel, im Laufe der Sendezeit möglichst schnell Mehrheiten auf ihre Seite zu ziehen. Wenn Demokratie in Zeiten immer komplexer werdender Sachfragen aber funktionieren soll, muss die (mitunter langweilige) Sachlichkeit politischer Abwägungsprozesse den Vorzug vor der Gefälligkeit kurzlebiger Show-Debatten haben. Parlamentarismus ist eben kein Eurovision Song Contest.

Sicherlich kann man argumentieren, dass es wichtig ist, auch und gerade diejenigen Menschen für die Demokratie zu interessieren, die sich von der Politik entfremdet haben. Jeder, der sich in der Politik engagiert, muss selber entscheiden, wie dieses Ziel am besten zu erreichen ist. Ich persönlich bezweifle, dass das Konzept der Sendung "Absolute Mehrheit" in dieser Hinsicht etwas Positives bewegen kann. Eher verstärkt es die ohnehin problematischen Seiten einer "Talkshow-Demokratie", indem sie ein Bermudadreieck aus Politik, Gewinninteresse und Klamauk konstruiert.

So wichtig es ist, Politik so zu gestalten und so zu vermitteln, dass sie die Menschen erreicht und überzeugt: Reichweite ist nicht alles. Wer politische Positionen überzeugend und sachlich vermitteln will, ist auf Plattformen angewiesen, die einen ausgewogenen, seriösen und differenzierten Diskurs über politische Fragen ermöglichen. Als Betreiber einer Website, die sich gezielt bemüht, die Meinungsbildung in politischen Fragen zu befördern, bin ich sicher, dass Ihnen das Problem wohlvertraut ist.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Gerster