Martin Bill (C) Henning Angerer
DIE GRÜNEN

Frage an Martin Bill von Senam Erffre bezüglich Verkehr und Infrastruktur

02. Januar 2020 - 20:29

Sehr geehrter Herr Bill,

vor Weihnachten hat der Beauftragte der Bundesregierung für den Schienenverkehr, Staatssekretär Ferlemann, in Hamburg für Schlagzeilen gesorgt mit dem Vorschlag, den S-Bahn-Verkehr am Hauptbahnhof ganz unter die Erde zu verlegen und so einen Bahnsteig mehr für Regional- und Fernverkehr freizubekommen.

https://www.welt.de/regionales/hamburg/article204363058/Hamburger-Hauptb...

Ein neuer S-Bahn-Tunnel bis nach Altona würde auch auf der Verbindungsbahn zwischen Hauptbahnhof und Bahnhof Altona zusätzliche Gleise für mehr Regional- und Fernverkehr freimachen. Dieser Verkehr könnte dann auf vier statt wie bisher zwei Gleisen abgewickelt werden. Mit zwei Gleisen mehr würde es auch möglich, den geplanten „Deutschlandtakt“ (=Halbstundentakt) in Hamburg zu realisieren.

Nicht angesprochen wurden von Herrn Ferlemann in diesem Zusammenhang die Pläne der Deutschen Bahn zur Verlegung des Bahnhofs Altona an die heutige S-Bahnstation Diebsteich. An dem neuen Bahnhof sollen wie heute am Bahnhof Altona auch künftig viele Züge ein- und ausgesetzt werden bzw. wenden und deshalb sind dort oft längere Verweilzeiten der Züge am Gleis zu erwarten als im Hauptbahnhof oder im Dammtor-Bahnhof.

Die Bürgerinitiative Prellbock, die gegen die Verlegung des Bahnhofs Altona kämpft, meint vor diesem Hintergrund, der neue Bahnhof sei zu klein geplant. In einer Präsentation vom 18. Dezember 2019 behauptet die Bürgerinitiative unter anderem, der geplante Fern- und Regionalbahnhof am Diebsteich sei für den Deutschland-Takt nicht ausgelegt (siehe die Seiten 6/7 der Präsentation):

http://prellbock-altona.de/wp-content/uploads/2019/12/18.12.2019_Prellbo...

Haben Sie Erkenntnisse, ob die Behauptung der Bürgerinitiative zutrifft?
Sollte die Verlegung des Bahnhofs Altona auch dann erfolgen, wenn der Halbstunden-Deutschlandtakt am Diebsteich tatsächlich nicht möglich wäre?

Danke im Voraus für Ihre Antwort, beste Wünsche für 2020 und freundliche Grüße!

Senam Erffre

Frage von Senam Erffre
Antwort von Martin Bill
13. Januar 2020 - 10:42
Zeit bis zur Antwort: 1 Woche 3 Tage

Sehr geehrter Herr Resser,

herzlichen Dank für Ihre Anfrage zum geplanten Fernbahnhof Diebsteich. Vorausschicken möchte ich, dass die Verlagerung des Fernbahnhofs Altona nach Diebsteich eine Entscheidung der Deutschen Bahn ist, die diese mit betriebswirtschaftlichen Belange begründete. Durch die Betriebsweise als Durchgangsbahnhof habe der neue Bahnhof eine höhere Kapazität pro Gleis. Denn die Züge müssten nicht wenden sondern werden nur ein/ausgesetzt oder fahren direkt nach Halt weiter. Die meisten Fahrgäste am Bahnhof Altona nutzen diesen als Ein- und Umsteiger der S-Bahn (91 %). Nur etwa 8 % der Ein- und Umsteiger nutzen den Regionalverkehr, 1 % den Fernverkehr. Geplant ist eine künftige Durchbindung von heute im Hamburger Hauptbahnhof endenden/wendenden Nahverkehrslinien. Dies ermöglicht im Bahnhof Diebteich eine umstiegsfreie Verbindung in den Regionalverkehr nach Süden/Westen und ggf. Osten, die derzeit nicht vorhanden ist. Fahrgäste aus Schleswig-Holstein können bereits am Bahnhof Diebsteich umsteigen, was zu einer Entlastung des Hauptbahnhofs führen. Ich gehe davon aus, dass die Bahn die Betriebsabläufe so plant, dass auch zukünftige Entwicklungen entsprechend berücksichtigt werden können.

Gleichzeitig entstehen durch die Verlagerung auch große Potentiale für die Stadtentwicklung der neuen Mitte Altona, die für Hamburg von großer Bedeutung sind.

Es ist aber auch so, dass seit dem Beschluss der Verlagerung die Bedeutung des Schienenverkehrs gesamtgesellschaftlich erfreulicherweise zugenommen hat. Aktuell findet ein sog. Faktencheck statt, den die Stadt, vertreten durch den Finanzsenator, mit dem Verkehrsclub Deutschland und der Initiative Prellbock sowie der Deutschen Bahn durchführt. Aktuell ist offen, ob es dort zu einer Einigung kommt, ich bin sehr gespannt. Der Verkehrsausschuss wird dazu dann auch noch einmal beraten.

Aber auch mit oder ohne Verlagerung von Altona wird ein massiver Ausbau der Bahnkapazitäten nicht möglich sein, da die sog. Verbindungsbahn nicht mehr viel Aufnahmekapazität hat.

Daher untersütze ich die Idee einer Untertunnelung am Hauptbahnhof vorbehaltlich der technischen Umsetzbarkeit da dies zu einer weiteren Entlastung des europaweit am meisten frequentierten Bahnhofs führen würde. Hier sehe ich den Bund in der Pflicht soetwas weiter zu planen. Auch die Zuläufe nach Hamburg, also aus Richtung Lüneburg und Pinneberg muss der Bund als Eigentümer der Bahn leistungsfähiger machen um mehr Nahverkehrszüge fahren zu können. m.E. müssen die Nahverkehrszüge am Hauptbahnhof auch durchgebunden werden, anstatt dort lange zu warten und die Gleise zu blockieren und wir müssen die Güterumgehungsbahn auch für Nachverkeh nutzen. Nur mit einem großen Bündel von Maßnahmen können wir die Mobilitätswende schaffen!

Mit freundlichen Grüßen
Martin Bill