Klaus-Peter Wennemann
FDP

Frage an Klaus-Peter Wennemann von Jbystnat Unegznaa bezüglich Finanzen

11. September 2013 - 12:08

Hallo Herr Wennemann,

in der FDP gibt es einige "€-Dissidenten", die der offiziellen DP-Parteihaltung widersprechen (z.B. Schäffler).
Das "alternativlose" Festhalten der FDP am Euro veranlasst mich zu der Frage:
Gibt es in Ihrer Partei keinen Plan B - der analystisch die positiven/negativen Folgen eines Euro-Austritts von Deutschland aufzeigt?

In Theorie und Praxis geht einer Entscheidung die Suche nach möglichen Alternativen voraus. Keine der Euro-Blockparteien hat mir als Wähler jedoch die Folgen eines "Plan B" dargelegt, sondern antwortet mit der Floskel: Stirbt der Euro - stirbt Europa.
"Alternativloser" Blödsinn - denn nicht nur in Europa zeigen Beispiele wie Schweden und Polen, dass diese Volkswirtschaften auch ohne Euro gut funktionieren. Ebenso wie die Asienländern Südkorea, Taiwan und Japan mit eigenen Währungen sich am Weltmarkt behaupten können.
Wäre es nicht denkbar, dass Deutschland mit der Rückkehr zu einer - aufgewerteten - DM für die Stabilität in Europa mehr leisten könnte, als in der den Masstrichvertrag verletzenden "Schuldenunion"??

Eine aufgewertete DM würde zwar deutsche Exporte am Weltmarkt verteuern, würde aber gleichzeitig dazu führen, dass alle importierten Rohstoffe - insbesondere Öl-Produkte - sich erheblich verbilligen würden. Billiges Heizöl + Sprit setzen Binnenkaufkraft bei den privaten Verbrauchern frei - siehe historisches Beispiel aus den Jahren 1983/84 als der durch die Irankrise 1979 angestiegene Ölpreis sich normalisierte und die privaten Haushalte um durchschnittlich 150 DM pro Monat (!) entlastete. Der daraus resultierende Schub an Binnennachfrage hat Helmut Kohl zu einem glänzenden Wahlsieg verholfen.

Abgesehen davon hat - historisch betrachtet - keine DM-Aufwertung den deutschen Export massiv einbrechen lassen. Wobei zeitweilige Exportverluste durch eine gestärkte Binnennachfrage kompensiert würden.

Also: In welcher Schulade liegt die Blaupause für "Plan B" - bzw. warum wurde diese noch nicht erstellt??
Viele Grüße

Frage von Jbystnat Unegznaa
Antwort von Klaus-Peter Wennemann
12. September 2013 - 05:58
Zeit bis zur Antwort: 17 Stunden 50 Minuten

Sehr geehrter Herr Hartmann,

die Sorgen um den Euro bewegt viele, vor allem ältere Menschen. Wie sie meinem Lebenslauf entnehmen können, sehe ich mich hier auch als Experten an. Weder die FDP noch ich teilen die Meinung, dass der Euro alternativlos ist und Herr Schäffler hat seinen Platz bei uns und auch einen aussichtsreichen Listenplatz, weil wir als Liberale einen weiten Diskussionskreis gut vertragen und auch ertragen können. Natürlich gibt es die verschiedensten Überlegungen für alternative Szenarien. So hatte Wirtschaftsminister Rösler bereits vor zwei Jahren das Thema der geordneten Staateninsolvenz angestoßen.
Es wäre jedoch fahrlässig wenn irgendwelche B-Pläne öffentlich würden, falls es diese gibt, wovon ich z.B. bei der Bundesbank, ausgehe. Ihre Überlegungen zu möglichen Auswirkungen einer Rückkehr zur DM mögen zwar in der Betrachtung von Einzelmassnahmen der volkswirtschaftlichen Theorie folgen, aber zwei Aspekte werden dabei außer acht gelassen. Die Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt hätten unvorhersehbare soziale Implikationen und die tatsächlichen Wechselbeziehungen der Wirtschaftselemente untereinander, z.B. der Banken, aber auch der Industriebeteiligungen sind in ihrer Gesamtwirkung nur unvollkommen abbildbar und damit auch unberechenbar. Sollte ich im Bundestag vertreten sein, werde ich mich diesem Themenkomplex und der damit verbundenen Bankenregulierung widmen. Meine Vorstellungen gehen dabei in Richtung eines "Softlandings" unter stärkerer Einbeziehung Großbritanniens und der nordischen Länder, sowie der Schweiz und hin zu Überlegungen, wie man den fehlenden Abwertungsmechanismus ersetzen kann um Ihnen erst einmal eine grobe Vorstellung zu geben.

Mit herzlichem Dank für Ihr Interesse
Ihr
Klaus-Peter Wennemann