Portrait von Kirsten Kappert-Gonther
Kirsten Kappert-Gonther
Bündnis 90/Die Grünen
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Wie ist Ihre Haltung zu Tierrechten in der Nutztierindustrie?

Anbindehaltung, Kastenstände, Kälberiglus, Fehlbetäubungen bei Akkordschlachtungen, Schreddern von Küken...

Frage von Ines M. am
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Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 16 Stunden 22 Minuten

Sehr geehrte Frau M.,

vielen Dank für Ihre Frage. Wir Grüne im Bundestag wollen, dass Deutschland innerhalb der nächsten 20 Jahre aus der industriellen Massentierhaltung aussteigt. „Grüner statt größer werden“ ist unser Leitmotiv für die Tierhaltung der Zukunft. Wir wollen allen Tieren ein würdiges Leben ermöglichen. Eine solche Haltung wollen wir gezielt fördern und die gesetzlichen Regeln verbessern. Die Tiere brauchen mehr Platz, Auslauf, Licht und Beschäftigung. Amputationen und Qualzucht wollen wir ein für alle Mal beenden.

Um mehr Tierschutz zu ermöglichen, wollen wir die rechtlichen Regeln verbessern. Wir Grüne haben zum Beispiel ein Tierschutzgesetz vorgelegt, das seinen Namen auch verdient (https://dserver.bundestag.de/btd/17/097/1709783.pdf). Das Tierschutzgesetz muss u.a. so konkretisiert werden, dass Qualzucht endlich der Vergangenheit angehört. Außerdem setzen wir uns ein für ein bundesweites Verbandsklagerecht für anerkannte Tierschutzorganisationen (https://dserver.bundestag.de/btd/18/097/1809798.pdf).  Wir wollen aber auch, dass es Menschen und Institutionen gibt, die sich darum kümmern, dass diese Regeln tatsächlich in die Praxis umgesetzt werden und es Tieren dadurch wirklich besser geht. Daher braucht es eine Bundesbeauftragte beziehungsweise einen Bundesbeauftragten für Tierschutz, der u.a. Gesetzesentwürfe auf ihre Vereinbarkeit mit dem Tierschutzgesetz prüft und Rechtsverstöße beanstanden kann. Nicht zuletzt fordern wir Grüne ein nationales Kompetenzzentrum für den Schutz und das Wohlbefinden von Tieren, das u.a. zuständig ist für ein nationales Tierwohl-Monitoring. Damit wollen wir messen, wie gut es den Tieren wirklich geht.

Zudem setzen wir Grüne uns dafür ein, dass Wildtiere nicht mehr im Zirkus gehalten werden. Giraffen, Nashörner oder Elefanten haben in einem Zirkus nichts zu suchen. Es ist in der Regel schlicht unmöglich, sie artgerecht unterzubringen und zu transportieren. Auch in Zoos ist die Haltung vieler Tierarten anspruchsvoll. Delfine etwa können in Deutschland nicht artgerecht in Gefangenschaft gehalten werden. Wir Grüne fordern daher eine Positivliste für Tierarten, für die eine artgerechte Haltung möglich ist (https://dserver.bundestag.de/btd/18/097/1809798.pdf).

Nicht zuletzt wollen wir Tierversuche endlich konsequent reduzieren und schnellstmöglich überflüssig machen. Jedes Jahr werden Millionen Tiere in Tierversuchen regelrecht verbraucht Dabei verursachen tierfreie Methoden deutlich weniger Tierleid. Außerdem sind Erkenntnisse aus Tierversuchen nur bedingt auf den Menschen übertragbar. Wir setzen uns daher ein für eine nationale Strategie mit konkreten Maßnahmenplänen sowie Zeit- und Zielvorgaben. Die EU-Tierversuchsrichtlinie muss endlich adäquat und tierschutzkonform umgesetzt werden. Weil Deutschland die Regeln falsch umgesetzt hat, leiden Tiere weiterhin und es droht ein Vertragsverletzungsfahren. Tierversuchsfreie Forschungsmethoden sollten finanziell deutlich stärker gefördert werden. Außerdem muss tierleidfreie Forschung schneller anerkannt und zugelassen werden.

Verbessern wollen wir auch die Situation der Tierheime. Sie leisten wichtige und wertvolle Arbeit, sind aber oftmals überfüllt und haben existentielle Geldsorgen. Längst landen nicht mehr nur Hunde oder Katzen im Tierheim, sondern immer öfter auch exotische Tiere, die aufwändiger gehalten werden müssen und kaum zu vermitteln sind.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Kirsten Kappert-Gonther

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