Wieso kommt es zur Kürzung psychotherapeutischer Leistungen, obwohl es immer mehr psychisch erkrankte Menschen gibt?
Sehr geehrte Frau Uhlig,
ich melde mich bei Ihnen, weil ich sehr besorgt bin um die Zukunft der psychotherapeutischen Versorgung. Der G-BA hat entschieden alle psychotherapeutischen Leistungen um 4,5% pauschal zu kürzen. Damit wird erneut das Signal gesendet, dass die Psychotherapie-Landschaft nicht wichtig genug ist, um ausreichend vergütet zu werden. Schon jetzt werden Psychologische Psychotherapeut:innen trotz fast 10-jähriger Ausbildung und fachärztlichem Status deutlich schlechter bezahlt, als psychiatrische ärztliche Kolleg:innen. Die wahrscheinliche Folge dieses Beschlusses wird sein, dass ambulante Psychotherapeut:innen nun nochmals vermehrt nur Privat-Patient:innen oder Selbstzahler:innen behandeln werden, um die Existenz ihrer Praxis zu sichern, wodurch das 2-Klassen-System weiter auseinander driften wird.
Ich arbeite als psychologischer Psychotherapeut und sehe jetzt schon die wahnsinnig große Versorgungslücke bei GKV-Patient:innen.
Mit freundlichen Grüßen
Joshua S.
Lieber Herr S.,
vielen Dank für Ihre Frage und die Darstellung Ihrer Perspektive. Mich erreichen viele Fragen, Mails und Schreiben zu genau diesem Thema.
Für uns in der Grünen Bundestagsfraktion ist klar: Wir halten die vom Erweiterten Bewertungsausschuss beschlossene Honorarkürzung für psychotherapeutische Leistungen für in dieser Form schwer nachvollziehbar.
Bereits heute sind Wartezeiten zu lang, der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung steigt und Praxen stehen unter wirtschaftlichem Druck. All das verschlechtert sich mit der Honorarkürzung.
Daher braucht es keine Vorschläge, die die Versorgungslage verschlechtern, sondern wir müssen sie verbessern. Hilfsangebote müssen schneller und niedrigschwelliger verfügbar sein, es braucht eine gezielte Bedarfsplanung für Kinder und Jugendliche, die Angleichung der Versorgung in Stadt und Land sowie der adäquateren Versorgung für Menschen mit schweren und chronischen psychischen Erkrankungen. Als Bundestagsfraktion haben wir dazu folgenden Antrag eingebracht: https://dserver.bundestag.de/btd/21/049/2104954.pdf
All das kann ohne Fachkräfte nicht funktionieren. Daher braucht es endlich die Absicherung der Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung.
Mit freundlichen Grüßen
Katrin Uhlig

