Verlässlichkeit für Familien: Warum erleben viele Eltern im Wahlkreis etwas anderes?
Sehr geehrte Frau Gebauer,
die CDU verweist regelmäßig auf erfolgreiche Investitionen und Fortschritte beim Ausbau der OGS in Nordrhein-Westfalen.
Sie selbst vertreten mit Troisdorf, Niederkassel und Sankt Augustin-Menden einen Wahlkreis, in dem Familien weiterhin über Platzmangel, personelle Engpässe und Belastungen im Betreuungsbereich klagen.
Wo genau sehen Sie persönlich die konkreten Erfolge der OGS-Politik in Ihrem eigenen Wahlkreis?
Und besteht aus Ihrer Sicht nicht die Gefahr, dass politische Erfolgsmeldungen zum OGS-Ausbau zunehmend im Widerspruch zur tatsächlichen Alltagserfahrung vieler Familien stehen?
Sehr geehrte Frau H.,
Familien erleben im Alltag weiterhin Herausforderungen beim offenen Ganztag. Gerade dort, wo die Nachfrage besonders stark wächst, stoßen Kommunen und Träger teilweise an ihre Grenzen. Deshalb wäre es falsch, die Situation einfach schönzureden. Gleichzeitig gibt es aber auch konkrete Fortschritte – gerade in meinem Wahlkreis.
Sowohl in Troisdorf als auch in Niederkassel verfügen alle Grundschulen über ein OGS-Angebot. Damit liegen beide Städte sogar über dem Landesdurchschnitt. Gleichzeitig wurde die Betreuung in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut. An der Katholischen Grundschule Lülsdorf nutzen beispielsweise mehr als 75 Prozent der Schülerinnen und Schüler die OGS. An der Drei-Linden-Schule hat sich die Zahl der Plätze seit 2005 nahezu vervierfacht.
Auch die aktuellen Planungen der Kommunen zeigen, dass der Ausbau weiter vorangebracht wird. In Troisdorf kann jedem Kind ein OGS-Platz angeboten werden. Die Stadt Niederkassel verweist in ihrer aktuellen Kinderbetreuungsplanung zudem darauf, dass derzeit keine Wartelisten bestehen und damit ausreichend Plätze für den tatsächlichen Bedarf vorhanden sind. Aktuell werden dort etwa 1.100 Kinder im offenen Ganztag betreut, was einer Betreuungsquote von rund 66 Prozent entspricht. Die Verwaltung geht deshalb davon aus, dass auch mit Blick auf den kommenden Rechtsanspruch ab dem Schuljahr 2026/2027 ein ausreichendes Platzangebot erreichbar ist.
Dafür investieren Land und Kommunen weiterhin erheblich in den Ausbau und die Qualität der Betreuung. Landesweit ist die Zahl der OGS-Plätze seit 2017 deutlich gestiegen – von rund 307.000 auf inzwischen mehr als 500.000. Allein in diesem Jahr investiert das Land knapp eine Milliarde Euro in den offenen Ganztag, insgesamt wurden seit 2017 rund sechs Milliarden Euro in den Ausbau investiert.
Auch vor Ort zeigt sich das ganz konkret. Allein in Niederkassel wurden 2025 mehr als 500.000 Euro für Maßnahmen zum Ausbau der Ganztagsbetreuung investiert. Dazu gehören unter anderem die Erneuerung und Erweiterung von Schulhöfen, die Umgestaltung von Außengeländen sowie zusätzliche Flächen für den offenen Ganztag an der Grundschule Ranzel. Hinzu kommt die weitere Ausstattung der OGS, unter anderem durch den Austausch von Mobiliar im Umfang von rund 1,3 Millionen Euro. Auch die laufenden Mittel steigen seit Jahren kontinuierlich an. Für 2026 sind mehr als 3,5 Millionen Euro für die offene Ganztagsschule im Haushalt vorgesehen. Auch die Regelungen zur Geschwisterbefreiung werden weiterhin aus dem städtischen Haushalt finanziert.
Ich kann nachvollziehen, dass manche politische Erfolgsmeldungen zunächst kritisch gesehen werden. Denn steigende Ausbauzahlen allein bedeuten noch nicht automatisch, dass Betreuung überall bereits so verlässlich funktioniert, wie Eltern es im Alltag erwarten dürfen. Trotzdem zeigt die Entwicklung im Wahlkreis, dass Land und Kommunen den Ausbau des offenen Ganztags Schritt für Schritt voranbringen und dafür erhebliche Mittel bereitstellen. Genau diesen Weg müssen wir konsequent weitergehen.
Mit freundlichen Grüßen
Katharina Gebauer

