Was möchten Sie und Ihre Partei gegen berufliche Ungerechtigkeit in der Weiterbildungsbranche unternehmen?
Sehr geehrte Frau Dröge, ich bin 44 Jahre alt und habe einen Grad der Behinderung von 30. Dadurch habe ich es schwer, weiterhin meine Wunschtätigkeit in der Weiterbildungsbranche nachzugehen, denn ich bin seit Januar arbeitssuchend und habe seitdem 1250 Bewerbung geschrieben, jedoch ohne Erfolg. Meine Gleichstellung auf GdB 50 wurde mittlerweile von der Agentur für Arbeit bewilligt, jedoch hier ebenfalls erfolglos. Ebenfalls erlebe ich, dass ich auf hohe Hürden bei der Jobsuche in der Weiterbildungsbranche stoße, die die Jobsuche massiv erschweren. Was möchten Sie unternehmen, damit ich, mit einem GdB von 30 wieder eine Tätigkeit als Mitarbeiter in der Weiterbildungsbranche aufnehmen kann? Auch erlebe ich, wie Träger sehr viele freiberufliche Dozenten einstellen, was für mich es ebenfalls erschwert. Warum wird kein Gesetz zur "Festanstellungsquote" sowie eine härtere "Inklusionsquote" für Weiterbildungsträger auf den Weg gebracht, die beide Problematiken löst?
Lieber Herr G.,
vielen Dank für Ihre Nachricht!
Es ist immer wieder traurig und ärgerlich zu lesen, dass auch top ausgebildete Menschen sehr große Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden, wenn sie mit einer Behinderung leben. Wir wollen den Arbeitsmarkt inklusiv gestalten. Jedem Menschen mit Behinderung müssen Wege zur Teilhabe am Arbeitsleben offenstehen. Dafür sollen Ausbildungs- und Arbeitsplätze an die Fähigkeiten und Bedürfnisse der Menschen mit Behinderungen angepasst werden. Wir wollen Arbeitgeber, die Menschen mit Behinderung ausbilden und beschäftigen, einfacher und transparenter fördern. In der Koalition mit SPD und FDP haben wir einige Maßnahmen, die dazu beitragen, eingeleitet. Arbeitgeber, die keine Menschen mit Behinderung beschäftigen, müssen zum Beispiel eine höhere Ausgleichsabgabe als bisher zahlen. Die beschlossenen Änderungen wurden erst letztes Jahr wirksam. Deswegen und aufgrund der zurzeit allgemein schwierigen Lage auf dem Arbeitsmarkt erscheint es uns sinnvoll, zunächst noch einige Zeit abzuwarten, welche Wirkung die Änderungen entfalten, bevor wir weitere Änderungen fordern. Wenn sich herausstellt, dass sich die Lage von arbeitslosen Menschen mit Behinderungen auch in wirtschaftlich guten Zeiten nicht bessert, werden wir nicht zögern, weitere Verschärfungen für die Arbeitgeber zu fordern, die zu wenige schwerbehinderte Menschen beschäftigen. Die große Zahl der Arbeitgeber, die jetzt schon weniger schwerbehinderte Menschen beschäftigen, als sie müssten, lässt uns aber daran zweifeln, ob eine höhere Quote das geeignete Mittel ist. Höhere Sätze der Ausgleichsabgaben scheinen uns hier wirksamer. Um Branchen mit einem hohen Anteil an "festen freien" Mitarbeiter*innen besser zu erreichen, kann auch eine Anpassung der Kriterien zielführend sein, die den Kreis der beschäftigungspflichtigen Arbeitgeber definieren. Wir Grüne wollen außerdem Selbstständigkeit fördern und positive Anreize für Selbstständige setzen. Gleichzeitig dürfen sich Auftraggeber*innen nicht ihrer sozialen Verantwortung entziehen und Menschen in die prekäre Selbstständigkeit drängen, um Lohnnebenkosten zu sparen.
Viele Grüße
Team Dröge
