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Ines Schwerdtner
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Frage von Marie K. •

Warum wird Psychotherapie auf Facharztniveau schlechter bezahlt, obwohl der Bedarf stetig steigt?

Psychotherapeutinnen absolvieren ein Bachelor- und Masterstudium & eine mehrjährige Weiterbildung. Ausbildung, Verantwortung & wissenschaftlicher Anspruch entsprechen in Umfang und Niveau der fachärztlichen Ausbildung. Dennoch wurde beschlossen, die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 % zu senken.

Der Weg in diesen Beruf ist bereits heute extrem anspruchsvoll & mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden. Studium, Weiterbildung und strukturelle Rahmenbedingungen führen dazu, dass sich viele angehende Psychotherapeutinnen verschulden müssen, bevor sie in ihren Beruf starten. Eine Honorarkürzung ist das falsche Signal.

Gleichzeitig warten Patientinnen bereits heute oft viele Monate auf einen Therapieplatz. Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit & Frühverrentung-der Bedarf an Behandlung steigt.

Wer eine Versorgung auf Facharztniveau erwartet, muss auch strukturelle Voraussetzungen dafür schaffen.Psychotherapie ist kein Luxus.

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Antwort von Die Linke

Liebe Frau K., 

vielen Dank für Ihre Frage. Wir stimmen Ihnen vollkommen zu: Psychotherapie ist kein Luxus!

Auch die Linke lehnt den Beschluss des Bewertungsausschusses, das Honorar für psychotherapeutische Leistungen um 4,5% zu kürzen, ab. Begründet wird die Kürzung vor allem durch das aktuelle Vergütungssystem und den steigenden Kostendruck innerhalb der gesetzlichen Krankenkassen. Aus unserer Sicht trägt sie aber nicht zur Lösung dieses grundlegenden Problems bei und ist ein gefährlicher Schritt in die falsche Richtung.

Der steigende Bedarf an Psychotherapie ist angesichts der diversen Krisen und Kriege kaum verwunderlich. Die Honorarkürzung ab April 2026 bedeutet eine weitere Verschlechterung der kritischen Versorgungslage. Sie verstärkt den finanzielle Druck auf Psychotherapeut*innen, in Zukunft ihre freien Termine priorisiert an Selbstzahler*innen oder Privatversicherte zu vergeben. Dieser Schritt hin zu mehr Zwei-Klassen-Medizin ist gefährlich.

Deswegen fordert die Linke die Rücknahme der Kürzungen. Es braucht andere Maßnahmen, um die schwierige Versorgungssituation strukturell zu verbessern: Eine flächendeckende, bedarfsgerechte Versorgung mit Kassensitzen, eine gesonderte Bedarfsplanung für Kinder- und Jugendpsychotherapeut*innen sowie die Finanzierung der Weiterbildung von Psychotherapeut*innen.

Die finanziellen Herausforderungen der gesetzlichen Krankenkassen werden nicht durch Kürzungen gelöst. Es braucht eine grundsätzliche Neuorientierung: Weg vom Zwei-Klassen-Denken, hin zu echter Solidarität!

Die Linke fordert deswegen eine gesetzliche Pflege- und Krankenversicherung, in die alle einzahlen – auch Selbstständige, Beamtinnen und Beamte, und Politikerinnen und Politiker. Auch auf Einkommen aus Kapitalerträgen sollen Beiträge anfallen. Die Beitragsbemessungsgrenze wollen wir abschaffen.

Wir versichern Ihnen, dass insbesondere unsere gesundheitspolitischen Kolleg*innen aus der Fraktion sich aktiv für eine starke psychotherapeutische Versorgung engagieren und sich im Rahmen der Möglichkeiten einer Oppositionspartei gegen die beschlossenen Kürzungen einsetzen.

Für uns als Linke ist das Ziel klar: Es braucht eine gute medizinische Versorgung, einschließlich der Möglichkeit für Psychotherapie, auf die sich alle Menschen verlassen können müssen - unabhängig von ihrem Versicherungsstatus.

Mit solidarischen Grüßen

Das Team von Ines Schwerdtner

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