Sehr geehrte Frau Glosemeyer, seit Jahren ist der Fachkräftemangel in den Kindergärten der Stadt bekannt. Was tut die SPD Fraktion dafür, diesen Mangel auch bei Nicht städtischen Trägern zu beheben?
Unsere Tochter ist bei einem nicht städtischen Träger und dieser beklagt jährlich unbesetzte Stellen, die nicht besetzt werden können, da Bewerber zu einer städtischen Einrichtung wechseln.
Liebe Frau D.,
vielen Dank für Ihre Anfrage. Das Thema ist tatsächlich seit Jahren brandaktuell.
Das Land hat die Zahl der Ausbildungsplätze für Erzieher*innen erhöht.
Um attraktive Bedingungen für die Gewinnung von zusätzlichen Fachkräften zu ermöglichen, haben wir eine Ausbildungsvergütung für die Teilzeit-Ausbildung von Erzieher*innen eingeführt. Dadurch gewinnen wir nachhaltig neue Fachkräfte, die zudem direkt mit der Praxis verzahnt sind. Das Land gewährt den Trägern von Kindertagesstätten dafür seit dem 01.08.2023 auf Antrag eine besondere Finanzhilfe von jährlich 20.000 Euro für Kräfte in tätigkeitsbegleitender Ausbildung – dieses Geld ist auf der einen Seite für die Ausbildungsvergütung vorgesehen und sieht gleichzeitig Stunden für die Praxisbegleitung durch Fachkräfte vor.
Für Kräfte in Ausbildung wird zudem eine praxisnähere Regelung für die mindestens zu erbringenden 15 Wochenstunden geschaffen. Dies ermöglicht eine Finanzierung von Ausbildungskräften, die die geforderten Wochenstunden – beispielsweise durch Blockunterricht in der Schule – nicht in jeder Woche erfüllen können.
Zudem schaffen wir neue Möglichkeiten, Zusatzkräfte einzustellen. Kräfte, die noch keine ausgebildeten Erzieher*innen oder Sozialassistent*innen sind, können damit zunächst befristet auf zwei Jahre in einer Kita arbeiten und sich berufsbegleitend weiterqualifizieren lassen.
In Bezug auf Wolfsburg speziell lässt sich folgendes festellen:
Der Fachkräftemangel in Kindertageseinrichtungen stellt alle Träger vor große Herausforderungen. Die Annahme, dass überdurchschnittlich viele Mitarbeitende von freien Trägern zu städtischen Einrichtungen abwandern und dadurch dort Personalengpässe entstehen, kann pauschal nicht bestätigt werden.
Bei Stellenwechseln zwischen den Trägern handelt es sich in der Regel um individuelle Entscheidungen, die häufig fachlich-konzeptionelle oder persönliche Gründe haben. Wechsel erfolgen dabei in beide Richtungen. So entscheiden sich manche angehende Fachkräfte bereits während ihrer Ausbildung für einen Wechsel zu einem anderen Träger. Neben der Vergütung der geleisteten Ausbildungsstunden, spielt hierbei oftmals auch das etablierte Ausbildungskonzept eine Rolle oder auch die Lage der jeweiligen Einrichtung.
Ein weiterer Aspekt sind unterschiedliche pädagogische Ausrichtungen. Der städtische Träger arbeitet nach dem Offenen Konzept sowie dem Early-Excellence-Ansatz. Andere Träger setzen andere pädagogische Schwerpunkte. Auch deshalb kommt es regelmäßig zu Wechseln in beide Richtungen. Tatsächlich verlassen jedes Jahr auch Fachkräfte den städtischen Träger und wechseln zu freien Trägern, weil deren pädagogisches Konzept oder die Arbeit in festen Gruppen besser zu ihren persönlichen Vorstellungen passt.
Unabhängig von der Trägerschaft bleibt die Gewinnung und Bindung von Fachkräften eine gemeinsame Herausforderung. Daher unterstützt die Stadt Wolfsburg Maßnahmen, die die Ausbildung stärken, die Attraktivität des Berufsfeldes erhöhen und gute Arbeitsbedingungen bei allen Trägern fördern.
Melden Sie sich gern, wenn Sie noch weitere Fragen/Anmerkungen haben oder ins persönliche Gespräch kommen wollen!

