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Hans-Peter Behrens
Bündnis 90/Die Grünen
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Frage von Rolf K. •

Wollen wir GAS und ÖL einsparen ?

Sehr geehrter Herr Behrens,
„Wer Energie spart, z. B. beim Heizen und Warmwasserverbrauch hilft mit, D. unabhängiger von Gas und Öl aus … zu machen“ schreibt unser Klimaschutzminister R. Habeck.
Eigentlich wäre es in unserem Fall sehr einfach bei 12 Wohneinheiten Warmwasser von Brenner-Erhitzung auf Boiler-Elektro-Erwärmung umzustellen. Damit könnte man im Sommer den Brenner weitgehend abschalten und Warmwasser über Strom regeln. Somit würden m.E. über das Jahr ca. 16-22 % Öl oder Gas eingespart werden. Nun ist es aber so, dass das wohl nicht gewünscht wird; so z.B. in Baden-Baden (aber auch in vielen anderen Städten) wird, wenn über Boiler das Warmwasser erhitzt wird, der Mietwert der Wohnung um 0,73 €/qm gemindert.
Frage:
Halten Sie eine derartige Regelung im Mietspiegel für gerechtfertigt?
Wie wird denn mittelfristig die Art des Heizens und Erwärmen von Wasser für Haushaltsverbrauch sich gestalten?

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Antwort von
Bündnis 90/Die Grünen

Sehr geehrter Herr K.,

vielen Dank für Ihre Anfrage vom 15.06.2022.

Sie fragen nach der Regelung im Mietspiegel hinsichtlich der Umstellung der Wassererhitzung von Brenner auf Elektroboiler, wodurch sich Energie in relevanter Höhe einsparen ließe. Sie erwähnen, dass in vielen Städten bei der Warmwasserbereitung über Boiler der Mietwert der Wohnung um 0,73 €/qm gemindert würde und fragen, ob ich dies für gerechtfertigt halte.

Für die Erstellung eines Mietspiegels finden sich unter dem Link https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/themen/bauen/wohnen/arbeitshilfe-mietspiegel.pdf?__blob=publicationFile&v=5 entsprechende Hinweise des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung aus dem Jahr 2020. Der Begriff der Wassererhitzung kommt darin jedoch nicht vor.

Auf der Homepage der Stadt Heilbronn finden Sie einen Mietspiegelrechner. Auch hier wird die Wassererhitzung nicht abgefragt. D.h. der Unterschied könnte höchstens darin begründet sein, dass Elektro-Boiler, die innerhalb der Wohnung aufgehängt sind, eine schlechtere Bewertung erhalten, da sie, im Gegensatz zur Heizungsanlage in Kellerräumen, Wohnraum beanspruchen und innerhalb des Wohnraums physisch wahrnehmbar sind.

Letztlich geht es dann nicht direkt um die Warmwasserbereitung, sondern um das Raummanagement in der Wohnung. Gleiches findet sich auch im Falle von Strom- und anderen Leitungen, wenn sie auf statt unter Putz verlegt sind. Gern nehmen ich aber Ihre Hinweise für eine künftige Neuauflage des Mietspiegels mit, denn hier lohnt sich ggf. der Einsatz für den Faktor Dekarbonisierung.

Darüber hinaus möchte ich auf die Beratung der Klimaschutz- und Energieagentur (KEA) verweisen. Die Agentur berät Kommunen u.a. zum Thema Wärmenetze. Dort erhalten Sie weitere fundierte Auskünfte zu Ihrem Anliegen: https://www.kea-bw.de/.

Des weiteren fragen Sie, wie sich mittelfristig Heizung und die Warmwasserbereitung für Haushalte gestalten werden. Die Klimaschutzziele Baden-Württembergs sind sehr ambitioniert. Aber sie sind erreichbar! Energiewende bedeutet Wärmewende. Bis 2030 müssen nach dem Klimaschutzgesetz https://um.baden-wuerttemberg.de/de/klima/klimaschutz-in-baden-wuerttemberg/klimaschutzgesetz/ 65 Prozent der Treibhausgas-Emissionen im Vergleich zu 1990 eingespart werden. Es ist aber richtig, dass wir uns ehrgeizige Ziele setzen – ohne sie wird die Wende nicht gelingen.

Wie Ihnen sicher bekannt ist: 30 Prozent der CO2-Emissionen werden durch Gebäude verursacht. Daher müssen wir hier ansetzen. Alle Gebäude müssen so schnell wie möglich ein hohes Effizienzniveau erreichen. Neubauten müssen schon jetzt klimaneutral sein, denn sie werden ja noch Jahrzehnte stehen.

Die künftige Versorgung wird sich aus unterschiedlichen Wärmequellen zusammensetzen. Wir setzen auf eine Ausweitung der Wärmenetze, auf die regionale bzw. lokale Energieerzeugung durch industrielle Abwärme, Solarthermie, Großwärmepumpen und die Tiefengeothermie. Beispiele guter Umsetzung finden sich in Großstädten wie Hamburg und Mannheim. Wo vor Ort möglich können auch Blockheizkraftwerke auf der Basis von Biomasse (z. B. Holzhackschnitzel oder Stroh) zum Einsatz kommen.

Unsere kommunalen Bioabfälle sollten wie auch die Reststoffe aus der landwirtschaftlichen Produktion nicht kompostiert, sondern zur Energiegewinnung vergärt werden. Bei konsequenter Nutzung des bundesweiten Potenzials ließe sich hier laut Studien bis zur Hälfte des russischen Erdgases durch Biogas ersetzen (https://www.bdew.de/media/documents/Awh_20190426_Gas-kann-gruen-Potentiale-Biogas.pdf und https://www.tagesschau.de/wirtschaft/technologie/biogas-statt-erdgas-101.html) Dieses Gas würde in der Industrie eingesetzt, wo es am schwierigsten zu ersetzen ist. In Gebäuden hingegen lassen sich Pelletheizungen und Solarenergie sowie in Verbindung mit Wärmepumpen Wasserspeicher nutzen.

Auf der Website des Umweltministeriums Baden-Württemberg finden Sie unter dem Link https://um.baden-wuerttemberg.de/de/energie/informieren-beraten-foerdern/foerderprogramme/energetische-foerderprogramme-fuer-gebaeude/ alle energetischen Förderprogramme des Landes sowie der Kommunen.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen ersten Antworten eine Vorstellung über die künftige Wärme- und Warmwasserbereitung vermittelt zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Peter Behrens MdL

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