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Guido Wolf
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Frage von Matthias H. •

Frage an Guido Wolf von Matthias H. bezüglich Wissenschaft, Forschung und Technologie

Sehr geehrter Herr Wolf,

in der letzten Zeit gab es in Stuttgart mehrere Demonstrationen zum Thema "Bildungsplan 2015, Frühsexualisierung in Schulen und Kindergärten".

Haben Sie sich persönlich auch einmal an einer dieser Demos beteiligt?

Wollen Sie sich in Zukunft einer solchen Demo beteiligen, vielleicht auch als Redner?

mfg Matthias Hüser

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Antwort von
CDU

Sehr geehrter Herr Hüser,

herzlichen Dank für Ihre Nachricht. Ich habe mich sehr darüber gefreut und lasse Ihnen gerne eine Antwort zukommen. Gleichsam bitte ich darum, die entstandene Verzögerung zu entschuldigen.Sie sprechen in Ihrem Schreiben die Demonstrationen grün-roten Bildungsplan an und fragen nach meiner Teilnahme. Ich habe nicht teilgenommen und plane auch nicht, daran teilzunehmen. Mein Platz, um Kritik zu äußern, ist das Parlament. Allerdings muss man die Sorgen der Menschen ernst nehmen. Sie fordern Toleranz für ihre Position und fühlen sich nicht wertgeschätzt. Das Problem der Politik, auch des Ministerpräsidenten als Person, ist, dass es nicht gelingt, das Verbindende über das Trennende zu stellen.Das Thema „sexuelle Vielfalt“ wurde in der Diskussion unserer Ansicht nach überhöht. Der Schwerpunkt der Bildungsplanreform zielte allein auf die Akzeptanz und Toleranz sexueller Orientierungen. Dieser Schwerpunkt wäre durch seine Verankerung in allen fünf Leitprinzipien zu einem Mega-Leitprinzip geworden.Ich kann die Sorgen der Menschen angesichts dieser hochemotionalen Diskussion rund um die geplante Reform des Bildungsplans, die alle am Schulleben Beteiligten seit rund einem Jahr erfasst hat, nachvollziehen. Insbesondere war stets zu beobachten, dass sie dem tatsächlichen Schulalltag nicht gerecht wird. Lehrerinnen und Lehrer kommen bereits heute ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag mit hohem Verantwortungsbewusstsein nach und setzen die bestehenden Zielsetzungen des Bildungsplans um.Es ist richtig und allgemein üblich, dass ein Bildungsplan in bestimmten zeitlichen Abständen an die gesellschaftlichen und fachlichen Entwicklungen angepasst werden muss und eine moderate Aktualisierung erfährt. Insofern ist eine Weiterentwicklung des Bildungsplans aus dem Jahr 2004 absolut richtig und notwendig. Allerdings ist das gesamte Projekt durch das zaudernde und desinteressierte Agieren des Kultusministers völlig aus der Bahn geraten.Von größter Wichtigkeit ist für uns, dass das hohe fachliche Niveau in den baden-württembergischen Abschlüssen auch in Zukunft gesichert ist. Nach Einschätzung der Experten drohen hier allerdings in den einzelnen Fächern wichtige Inhalte einer sogenannten „Entfrachtung der Bildungspläne“ zum Opfer zu fallen.Mit Blick auf das Gymnasium erkennen wir die Gefahr, dass die Einführung der Orientierungsstufe in Klassen 5 und 6, die Schülerinnen und Schüler an den Gymnasien in ihrer Entwicklung einbremst. Der gesamte Bildungsplan ist einer möglichst hohen Durchlässigkeit zwischen den sogenannten drei Lernniveaus untergeordnet. Um das zu erreichen, werden die Inhalte des sogenannten erweiterten Niveaus (gymnasiales Niveau) auf spätere Schuljahre verschoben. So droht, dass sich die eigentliche gymnasiale Lernzeit auf die Klassen 7 bis 12 begrenzt. Wir lehnen ein auf fünf Jahre verkürztes gymnasiales Lernen entschieden ab! Die Belastungen für die Schülerinnen und Schüler werden in diesem Zeitraum zu groß, da sie den zu langsamen Start in die Klassen 5 und 6 in späteren Jahren aufholen müssen, wenn sie zum gleichen Leistungsniveau wie heute gelangen sollen.Es ist aus Sicht der CDU-Landtagsfraktion zwingend notwendig, dass in der Bildungsplanarbeit handwerklich solider gearbeitet wird. Wir als CDU-Landtagsfraktion treten für ein Menschenbild im Bildungsplan und an der Schule ein, das mehr als Selbstentfaltung, Respekt und Anerkennung des Anderen will. Es bedarf daneben nämlich auch der Vermittlung von Gemeinschaftsfähigkeit und Solidarität mit den anderen Menschen und der Verantwortung. Es muss zwingend darauf geachtet werden, dass der Bildungsplan nicht dazu genutzt werden kann, den Schülerinnen und Schülern fremde Meinungen im Unterricht überzustülpen, sondern auch künftig die Möglichkeit der Entfaltung in Freiheit bietet. Einen Gesinnungslehrplan lehnen wir entschieden ab.

Mit freundlichen Grüßen
Guido Wolf

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