Dr. Gerhard Schick
DIE GRÜNEN
Profil öffnen

Frage von Xngeva ina Yöpugrea an Dr. Gerhard Schick bezüglich Umwelt

# Umwelt 11. Sep. 2017 - 15:13

Sehr geehrter Herr Dr. Schick,

ich würde mich grundsätzlich als ökologisch ausgerichteten Menschen einstufen und bin, auf den ersten Blick, auch gegen Subventionierung des Kohleabbaus. Und das, obwohl ich aus dem Ruhrgebiet stamme. Bis ich vor einiger Zeit ein interessantes Gespräch hatte, das mich nachdenklich gestimmt hat: mein Gesprächpartner, der in der Branche tätig ist, hat gesagt, dass es sehr unüberlegt und risikoreich sei, Deutschlands Kohlevorkommen unwiederruflich unzugägnlich zu machen. Und das ist genau das was geschieht- die bestehenden Schächte und Flöze werden einbetoniert und weiterer Abbau unmöglich gemacht. Dies beraubt aber Deutschland seiner autonomen Energieversorgung, die in der Zukunft irgendwann eine unvorhersehbare Bedetung spielen könnte.
Und irgendwie finde ich nun auch: wir sollten unsere Energiereserven erhalten, wer weiß wo für wir die noch brauchen werden...
Was sagen Sie dazu?
Mit freundlichen Grüßen
K. ina Yöpugrea

Von: Xngeva ina Yöpugrea

Antwort von Gerhard Schick (GRÜNE) 14. Sep. 2017 - 10:12
Dauer bis zur Antwort: 2 Tage 18 Stunden

Sehr geehrte Frau ina Yöpugrea,

Vielen Dank für Ihre Frage. Der Kohlebergbau wird unsere Gesellschaft noch Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte lang beschäftigen. Allein in Nordrhein-Westfalen wurden fast 2.000 Schächte überprüft. Viele weitere Gruben müssen noch folgen. Ziel ist es festzustellen, ob die Schächte stabil sind. Denn die riesigen, verzweigten Hohlräume unter der Erde sind ein Gefahr. Sie können einstürzen und lebensgefährliche Erdrutsche an der Oberfläche hervorrufen. Steigt das Grundwasser nach Beendigung des Bergbaus wieder an, drohen zudem Schadstoffauswaschungen. Um dieser Gefahr zu begegnen, werden inzwischen die ersten Gruben mit Zement ausgefüllt. Das soll zur dauerhaften Stabilisierung der Gruben und damit zu mehr Sicherheit für die darüber lebenden Menschen führen.

Grundsätzlich ist die Methode für all jene Gruben richtig, deren Stabilität in Frage steht. Diese Zechen im nutzbaren Zustand zu halten, birgt hohe Gefahren und ist zu teuer. Deshalb kommt das nicht in Frage. Für anderen könnte man sich auch andere Nutzungen vorstellen. So gibt es die Idee, unterirdische Pumpspeicherkraftwerke in den ehemaligen Zechen zu errichten. Diese Alternativen sind aber nur denkbar, wenn die Sicherheit gewährleistet wird. Für das Offenhalten der Gruben müsste die ebenfalls uneingeschränkt gelten. Hier kommen noch die enormen Kosten für die Instandhaltung der alten Gruben hinzu. Diese müssten von der Gesellschaft über Jahrhunderte aufgebracht werden. Das erscheint uns weder zielführend noch praktikabel.

Mit besten Grüßen,
Gerhard Schick