Wieso wollen Sie jetzt schon das vergleichsweise teure CCS-Verfahren zur CO2-Entfernung aus der Luft anwenden und nicht erst, wenn bei den Emittenten alle CO2-Minderungsmaßnahmen ausgeschöpft sind?
Wenn Sie jetzt schon CO2 aus der Atmosphäre entnehmen, verleitet es Akteure, weniger Anstrengungen in CO2-Minderungsmaßnahmen vorzunehmen. Um eine akzeptable Klimaerwärmung zu erreichen, ist zwar wohl eine CO2-Entnahme unerlässlich, aber jetzt sicherlich noch nicht. --- Pflanzen entnehmen beim Wachsen C02 aus der Atmosphäre. Wenn man pflanzliche Reststoffe unter Luftabschluss pyrolysiert, entsteht speicherfähiger Kohlenstoff, zudem noch eine Gas/Öl-Fraktion, aus der durch Verbrennen sogar noch Energie gewonnen werden kann, also eine WinWin-Situation. Der Weltklimarat stuft CO2-Entfernung durch Pflanzenkohle als aussichtsreiche Maßnahme ein. Reststoffe fast jeglicher Art kommen in Frage, sogar Klärschlamm. Gute Pflanzenkohle kann sogar landwirtschaftlich verwendet werden.
Sehr geehrter Herr Dr.. C.
vielen Dank für Ihre Nachricht. Ihr Engagement für den Klimaschutz hat mich sehr gefreut, schließlich bekomme ich hier auch viele andere und kritischere Nachrichten. Ich nehme Ihre Sorgen bezüglich der Zukunft der Carbon-Capture-Technologie (CCS/CCU) in Deutschland sehr ernst. Die von Ihnen angesprochenen Punkte wurden zuletzt besonders intensiv bei der Novelle des Kohlendioxidspeicherungsgesetzes im Herbst 2025 diskutiert. Die Novelle des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes ist am 28. November 2025 in Kraft getreten.
Als SPD-Fraktion vertreten wir die Position, CCS nicht bei Vermeidbarkeit des CO2 anzuwenden; also nicht bei Gaskraftwerken. Im Wege der Verständigung mit CDU/CSU zur Bildung der schwarz-roten Koalition wurde auf Wunsch unseres Koalitionspartners allerdings auch die Anwendung bei Gaskraftwerken verständigt.
Lassen Sie mich Ihnen versichern: Oberste Priorität für die SPD-Bundestagsfraktion hat der konsequente Ausbau der erneuerbaren Energien, die Steigerung der Energieeffizienz und die Vermeidung des Ausstoßes von CO2 (und anderer Klimagase). Gleichzeitig müssen wir aber auch klären, wie wir mit schwer und nicht vermeidbaren Restemissionen umgehen. Wissenschaftliche Schätzungen gehen davon aus, dass selbst im klimaneutralen Jahr 2045 jährlich zwischen 34 und 73 Millionen Tonnen CO₂ in Deutschland aus Prozessen anfallen werden, die nicht oder nur sehr schwer dekarbonisiert werden können. Dies betrifft vor allem die Herstellung von Zement, Kalk und Glas sowie die thermische Abfallverwertung.
Andererseits kann die Technologie eine Brücke zu einer nachhaltigen Kohlenstoffkreislaufwirtschaft bilden, in der abgeschiedenes CO₂ als Rohstoff dient. Darunter fällt auch die von Ihnen angesprochene Pyrolyse. Diese ist rechtlich möglich und es liegt nun auch an der Wirtschaft, hier gangbare Wege zu finden. Wie jedes andere Verfahren ist es ein Teil der Lösung. Ich selbst konnte mich vor einer Weile z.B. auch schon einmal zu dem Projekt InterPyro (https://www.innovation-strukturwandel.de/strukturwandel/shareddocs/entries/de/InnovationUndStrukturwandel/REGIONinnovativ/region-innovativ-2-foerder-kreislaufwirtschaft/interpyro.html ) aus Sachsen-Anhalt informieren lassen. Durch Ihren Anreiz werde ich mich da aber noch einmal nach einem aktuellen Stand erkundigen.
Generell gilt: Wir werden darauf achten, dass technische CO₂-Speicherung nicht als Ersatz für Vermeidung von CO2 und natürliche Klimaschutzmaßnahmen missverstanden wird. Auch der Schutz und die Wiederherstellung natürlicher CO₂-Speicher wie Moore, Wälder und Böden müssen parallel vorangetrieben werden. CO2-Vermeidung und Verwertung müssen nach unserer Überzeugung immer Vorrang haben.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Franziska Kersten, MdB

