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Franziska Brychcy
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Frage von Andreas K. •

Ich bin Jazzmusiker (Schlagzeug). Uns Kreativen fehlen AKUT (eigene) Proberäume (oder sie sind schlecht verteilt: Marzahn/Lichtenberg etc). Ist Ihnen das Problem bewusst? Wie wollen Sie es angehen?

Seit 3 Jahren suche ich vergeblich einen Proberaum im Berliner Süden. Ich habe bereits eine lange Leidensgeschichte der Proberaumsuche hinter mir. Mittlerweile bin ich mit meinem Instrument "auf der Straße", denn das Elternhaus, in dem es stand, ist nun verkauft worden.

Ich habe:

- alle 11 Wohnungsbaugenossenschaften im Berliner Süden angefragt nach geeigneten Möglichkeiten für Kellerflächen/Restflächen. Nur Absagen.

- ebenfalls mehrere Kirchengemeinden im Berliner Süden kontaktiert und auch keine Möglichkeiten angeboten bekommen

Als Schlagzeuger habe ich es zudem besonders schwer, denn es handelt sich um ein Instrument, welches Platz bedarf und gewöhnlich ortsgebunden. Zudem bin ich als Schlagzeuger tendenziell aufgrund der Lautstärke für WBGs schwerer vermittelbar als ein Pianist. Die einzigen Optionen sind überteuerte "Stundenproberäume", die das Üben am eigenen Instrument verhindern. Es hemmt meine musikalische Entwicklung und die weitere künstlerische Arbeit im Trio ganz massiv.

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Antwort von Die Linke

Sehr geehrter Herr K.

vielen Dank für Ihre Anfrage. 
Bitte entschuldigen Sie, dass meine Antwort hat auf sich warten lassen. 

Ja, der von Ihnen thematisierte Mangel an Proberäumen ist mir u. a. aus Gesprächen mit den bezirklichen Musikschulen gut bekannt. Der gravierende Raummangel in Berlin trifft Musiker*innen und leider auch viele soziale und kulturelle Einrichtungen. 

Politik und Gesellschaft haben in den letzten Jahrzehnten große Teile Berlins privaten Investoren überlassen, mit fatalen Auswirkungen. 
In der Schloßstraße und Umgebung zum Beispiel stehen im Steglitzer Kreisel, „Bierpinsel“, „Mäusebunker“ und den zahlreichen Einkaufszentren große Flächen leer, die sich für kulturelle und soziale Angebote nutzen ließen. Eine solche (Zwischen)nutzung scheitert in der Regel an den Mietpreisvorstellungen der Eigentümer*innen oder notwendigen Umbaumaßnahmen. 
Folgerichtig müssen die politischen Weichenstellungen vorgenommen werden, damit Berlin perspektivisch wieder über ausreichend eigene Flächen verfügt, die Land und Bezirke dann Trägern, Vereinen und Bürger*innen zur Verfügung stellen können.

In Steglitz-Zehlendorf setze ich mich deswegen zum Beispiel für einen Rückkauf des Steglitzer Kreisels ein. Es wird kaum eine zweite Chance im Südwesten Berlins geben, um in so zentraler Lage und mit perfekter ÖPNV-Anbindung Räume für bezahlbare Mietwohnungen, Schulen, Kitas, eine zentrale Kältehilfe, Proberäume etc. pp. zu erlangen. 

Auch für eine kulturelle und soziale Nachnutzung des Mäusebunkers am Hindenburgdamm mache ich mich stark. Glücklicherweise ist es in einem ersten Schritt über das Landesdenkmalamt gelungen, dass Gebäude vor den Abrissfantasien von CDU und FDP zu retten. Mit seiner guten Lage, seinem Zuschnitt und den dicken Betonwänden wäre dieser Ort prädestiniert für zum Beispiel Musikräume. 
Auch beim geplanten Neubau des Rathauses Zehlendorf müssen Räume für die Öffentlichkeit, für Kieztreffes, Vereine etc. mitgeplant werden. Auch hier setze ich mich dafür ein, dass die öffentliche Hand wieder ausreichend eigene Raumangebote hat. 

Für uns als Linke ist klar: Atelier-, Projekt-, Studio- und Proberäume sind notwendige Infrastruktur für Kulturakteur*innen in Berlin – Orte des Experimentierens, kreativen Schaffens und der Existenzsicherung, die jenseits der Prinzipien des Marktes funktionieren und in die Nachbarschaften und Kieze hineinwirken.
Wir setzen uns dafür ein, dass zu dem Bestand in den kommenden Jahren 1.000 neue Arbeitsräume in ganz Berlin geschaffen werden. Dazu braucht es eine verlässliche öffentliche Generalanmietung von Arbeitsräumen, Transparenz bei der Vergabe und die Ausweitung der bestehenden Förderprogramme.
Bei der Entwicklung neuer Stadtquartiere wie in Lichterfelde Süd sowie bei allen anderen größeren Neubauvorhaben müssen Orte für Kunst und Kultur verpflichtend mit geplant und gebaut werden.

Sehr gerne stehe ich Ihnen für einen weiteren Austausch zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen 

Franziska Brychcy

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