Besorgnis über das geleakte „Netzpaket“ des Bundeswirtschaftsministeriums, wie ist ihre Meinung dazu?
Sehr geehrter Herr Hahn,
mit großer Sorge habe ich die Berichte über das geleakte „Netzpaket“ des Bundeswirtschaftsministeriums verfolgt. Nach derzeitigem Stand scheint das Konzept eine deutliche Bevorzugung großer Energiekonzerne und insbesondere fossiler Gaskraftwerke vorzusehen – auf Kosten dezentraler, erneuerbarer Lösungen und der Bürgerenergie.
Ich halte diesen Kurs für den falschen Weg. Statt die Abhängigkeit von fossilen Strukturen weiter zu verfestigen, braucht Deutschland ein zukunftsfähiges Energiesystem, das auf erneuerbare Quellen, Speichertechnologien und dezentrale Netzausbaukonzepte setzt. Nur so lässt sich Versorgungssicherheit, Klimaschutz und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit langfristig vereinen.
Ich bitte Sie daher, sich im Bundestag und in Ihrer Fraktion für eine klare Priorisierung erneuerbarer Energien und fairer Rahmenbedingungen für Bürgerenergieprojekte einzusetzen.
Mit freundlichen Grüßen
Reiner L.
Sehr geehrter Herr L.,
vielen Dank für Ihre Nachricht.
Bis 2030 sollen erneuerbare Energien 80 Prozent unserer Stromversorgung tragen. Das ist das Ziel der Bundesregierung. Daher müssen wir die Förderung jetzt stärker an Kosteneffizienz und Systemnutzen ausrichten. Das wurde in den letzten Jahren zu wenig berücksichtigt. Wir wollen ein Energiesystem, das auf stabilen, effizienten und marktorientierten Grundlagen basiert.
Dazu soll auch das von Ihnen angesprochene Netzpaket beitragen. Es greift das Erfordernis der besseren Synchronisierung des Netzausbaus sowie des Ausbaus der erneuerbaren Energien auf. Der Entwurf reagiert auf die stark zunehmende Belastung des deutschen Stromnetzes durch die wachsende Zahl von Anschlussanträgen für Erzeugungs‑, Speicher‑ und Großverbrauchsanlagen, wie Großbatterien oder Rechenzentren. Das bisherige „Windhund‑Prinzip“, das pauschal den schnellsten Antrag bevorzugt, führt zu einer Überlastung der Netzbetreiber. Außerdem blockiert es dringend benötigte Vorhaben und verhindert eine zielgerichtete Verteilung knapper Anschlusskapazitäten. Gleichzeitig hinkt der Netzausbau häufig hinter dem zügigen Ausbautempo erneuerbarer Energien hinterher. Das führt dazu, dass bei einem ungesteuerten Zubau in Engpassgebieten hohe Redispatch‑Kosten entstehen und Investitionen an netzwirtschaftlich ungeeigneten Standorten getätigt werden. Der Netzpaket-Entwurf soll hier mit dem neuen Instrument des Redispatch-Vorbehalts Abhilfe schaffen und eine räumliche Steuerung bewirken.
Ich möchte noch betonen, dass es sich bei der geleakten Version des Netzpaketes um einen Entwurf handelt, der sich derzeit in der Ressortabstimmung und damit noch am Anfang des Gesetzgebungsprozesses befindet. Die Befassung durch das Kabinett sowie die Beratungen im Deutschen Bundestag stehen noch bevor.
Mit freundlichen Grüßen
Florian Hahn MdB

