Wie verhindern Sie die Absenkung der Honorare für Psychotherapeuten, wenn der Änderungsantrag Nr. 15 im GKV-Stärkungsgesetz angenommen wird?
Guten Tag Saskia R.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und dafür, dass Sie sich mit diesem wichtigen Anliegen an mich wenden. In Anlehnung an die Positionierung meiner Kollegin und gesundheitspolitischen Sprecher unserer Fraktion möchte ich Ihnen folgendes Antworten:
Wir teilen Ihre Sorge ausdrücklich. Psychotherapie ist keine Luxusleistung, sondern medizinische Grundversorgung. Gerade die vergangenen Jahre haben sehr deutlich gezeigt, dass psychische Erkrankungen zunehmen und viele Menschen dringend Unterstützung brauchen. Das gilt in besonderer Weise für Kinder und Jugendliche, die auf zeitnahe psychotherapeutische Begleitung angewiesen sind.
Die geplante Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen und die von Ihnen angesprochene mögliche Abschaffung der Mindestvergütung beziehungsweise der gesetzlichen Angemessenheitsprüfung sehen wir mit großer Sorge. Schon die Honorarkürzungen in der ambulanten Psychotherapie sind aus Sicht der grünen Landtagsfraktion nicht hinnehmbar. Sie verschärfen eine bestehende Schieflage im Gesundheitssystem und treffen am Ende nicht nur Therapeut:innen, sondern vor allem Patient:innen sowie diejenigen, die seit Monaten auf einen Therapieplatz warten.
Wenn psychotherapeutische Praxen durch schlechtere Vergütung weniger Behandlungen anbieten können oder wirtschaftlich unter Druck geraten, bedeutet das ganz konkret: weniger Therapieplätze, längere Wartezeiten und spätere Hilfe für Menschen, die dringend Unterstützung brauchen. Gerade für ein Flächenland wie Sachsen-Anhalt wäre das fatal.
Wir haben uns als grüne Landtagsfraktion deshalb bereits klar gegen Kürzungen, Budgetierung und zusätzlichen Vergütungsdruck in der ambulanten Psychotherapie positioniert. Unser Ziel ist eine Versorgung, die sich am tatsächlichen Bedarf psychisch kranker Menschen orientiert: mehr Hilfen, weniger Stigma, kürzere Wartezeiten und eine bessere Erreichbarkeit von Psychotherapie, Prävention und Krisenintervention.
Dazu gehören auch strukturelle Verbesserungen: eine bessere Bedarfsplanung, zusätzliche kinder- und jugendpsychotherapeutische Kassensitze, eine Stärkung ambulanter Komplexleistungen für schwer psychisch erkrankte Erwachsene, Kinder und Jugendliche sowie eine verlässliche ambulante Anschlussbehandlung nach Krankenhausaufenthalten. Ebenso braucht es eine gesetzliche Absicherung der Finanzierung der ambulanten und stationären Weiterbildung von Psychotherapeut:innen.
Unsere Positionen dazu finden Sie in diesen beiden Stellungnahmen:
https://sziborraseidlitz.de/psychotherapie-unter-druck-gruene-fordern-gegensteuern/
Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass Sachsen-Anhalt gegenüber dem Bund deutlich macht: Die psychotherapeutische Versorgung darf nicht geschwächt werden. Sie muss dauerhaft abgesichert und ausgebaut werden.
Das Thema hat für uns als grüne Landtagsfraktion weiterhin hohe Priorität. Wir stehen an der Seite der Patient:innen, der Psychotherapeut:innen und all jener, die dringend auf Hilfe warten.

