Die neue Ausbildungsverordnung und die Vergütungsrichtlinien für Psychotherapeuten werden zu einer deutlichen reduzierung des Behandlungsangebots führen. Wie wollen Sie gegensteuern?
Sehr geehrter Herr S.,
die geplante Absenkung der Honorare für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten durch den Erweiterten Bewertungsausschuss sorgt für erhebliche Diskussionen. Wir nehmen die Entscheidung und ihre möglichen Folgen für die Versorgung sehr ernst.
Gerade im Bereich der psychischen Gesundheit ist eine stabile und gut erreichbare Versorgung von zentraler Bedeutung. Die Absenkung der Honorare ist daher ein problematisches Signal – sowohl für die Behandelnden als auch für die Patientinnen und Patienten. Hintergrund der Entscheidung ist ein Verfahren der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Der GKV-Spitzenverband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung verhandeln regelmäßig über die Vergütung medizinischer Leistungen. Kommt keine Einigung zustande, entscheidet der Erweiterte Bewertungsausschuss als Schlichtungsgremium. In diesem Fall wurde eine Absenkung der psychotherapeutischen Vergütung beschlossen.
Die Bundesregierung hat dabei eine Rechtsaufsicht, kann jedoch keine inhaltliche Bewertung oder Korrektur der Entscheidung vornehmen. Dennoch sieht die SPD-Bundestagsfraktion hier politischen Handlungsbedarf, denn viele Patientinnen und Patienten warten bereits heute monatelang auf einen Therapieplatz. Vor diesem Hintergrund müssen mögliche Auswirkungen auf die Versorgung genau geprüft werden. Die SPD-Fraktion hat daher das Bundesministerium für Gesundheit aufgefordert, die Folgen der Entscheidung transparent darzustellen und zu prüfen, ob sich negative Auswirkungen auf die Versorgung ergeben könnten. Gleichzeitig wird erwartet, dass bei Bedarf geeignete Maßnahmen ergriffen werden.
Eine Stabilisierung der GKV-Finanzen darf nicht zu Lasten der Patientinnen und Patienten gehen und den Zugang zur Versorgung verschlechtern. Im Koalitionsvertrag hat sich die Bundesregierung ausdrücklich zur Stärkung der psychischen Gesundheitsversorgung bekannt. Dieses Ziel bleibt weiterhin maßgeblich.
Beste Grüße
Dirk Wiese

