Wie stehen Sie zur psychotherapeutischen Honorar Kürzung?
Die geplante Kürzung der Honorare für psychotherapeutische Behandlungen ist ein Irrweg, der dazu führt, das am Ende die Gesellschaft mehr Kosten zu tragen hat als diese Maßnahme einsparen wird.
Es gibt sehr lange Wartezeiten, um einen Therapieplatz zu bekommen und der Eindruck entsteht des Privatpatienten schneller einen Termin bekommen als Kassenpatienten. Dies liegt an den unterschiedlichen Bezahlungen und Betriebskosten über Privatpatienten leichter gedeckt werden können.
Wenn nun die Honorare für Kassenpatienten gekürzt werden und die Lücke erneut größer wird, wird zwangsläufig eine Zweiklassengesellschaft bei den Patienten erzeugt.
Bürger mit Geld können sich einen Therapieplatz leisten, alle anderen stehen auf der Warteliste. Patienten fallen länger aus, steigen in das Sozialsystem ab und sie den Weg der langfristigen Erkrankung gehen.
Dadurch werden Kosten in dem Gesundheitswesen nur augenscheinlich eingespart, die Kosten nur verlagert oder in andere Kassen geschoben.
Sehr geehrter Herr S,
haben Sie vielen Dank für Ihre E-Mail zum Thema der Absenkung der Psychotherapie-Honorare. Seien Sie versichert, dass meine Fraktion und ich dieses Thema sehr ernst nehmen und wir Ihre Verunsicherung und Ihren Unmut nachvollziehen können. Sie haben mit Ihrer umfangreichen Ausführung viele wichtige Punkte angesprochen.
Wie sie wissen, regeln in Deutschland GKV-Spitzenverband (GKV-SV) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) in der Selbstverwaltung Leistungsumfang und Vergütung im Bewertungsausschuss. Bei Streit entscheidet der Erweiterte Bewertungsausschuss, während das Bundesministerium für Gesundheit nur die Rechtmäßigkeit prüft. Im konkreten Fall konnten sich GKV-SV und KBV nicht einigen, was zur Absenkung der Psychotherapeutenhonorare durch Schlichtung des erweiterten Bewertungsausschusses führte, gegen die nun eine gerichtliche Überprüfung möglich ist.
Wir nehmen die möglichen Auswirkungen sehr ernst. Gerade im Bereich der psychischen Gesundheit ist eine stabile und gut erreichbare Versorgung von zentraler Bedeutung. Wie Sie geschrieben haben, warten viele Patientinnen und Patienten bereits heute lange auf einen Therapieplatz. Vor diesem Hintergrund haben wir Bundesministerin Nina Warken aufgefordert darzulegen, welche Auswirkungen die Entscheidung möglicherweise auf die Versorgung haben kann. Außerdem haben wir gefragt ob Maßnahmen ergriffen werden und wie diese aussehen, sollte festgestellt werden, dass der Beschluss negative Auswirkungen auf die Versorgung haben wird.
Für uns als SPD ist klar, dass Maßnahmen zur Stabilisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht zu Lasten der Patientinnen und Patienten gehen dürfen. Deshalb erwarten wir von Bundesministerin Warken zeitnah Vorschläge für eine nachhaltige Stabilisierung der GKV-Finanzen. Wir werden die Antworten und Vorschläge des Ministeriums aufmerksam prüfen und uns dafür einsetzen, dass die psychotherapeutische Versorgung langfristig gesichert bleibt.
Es ist mir abschließend sehr wichtig darauf hinzuweisen, dass wir uns im aktuellen Koalitionsvertrag ausdrücklich darauf verständigt haben, die Versorgung im Bereich der psychischen Gesundheit zu stärken und den Zugang zu Therapie zu verbessern. Das ist das Ziel der SPD.
Ich danke Ihnen nochmals für Ihre engagierten Hinweise. Sollten Sie weitere Ideen oder Anregungen haben, schreiben Sie mir gerne!
Mit freundlichen Grüßen
Daniel Walter
