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Christoph de Vries
CDU

Frage an Christoph de Vries von Gvz Ubssznaa bezüglich Gesundheit

28. Januar 2021 - 19:06

Sehr geehrter Herr De Vries,

ich beobachte die Impfstofflieferprobleme nun seit einiger Zeit mit großer Sorge. Als Single der in Kurzarbeit ist, ist mein Leben seit 10Monaten stark durch diese Pandemie verändert.
Ich frage mich zunehmend ob die Bundesregierung wirklich alle ihre Möglichkeiten nutzt, wie zum Beispiel Biontec oder auch anderen Impfstoffherstellern weitere Produktionsstätten zu organisieren in dem andere möglichen Produktionsstätten gefunden oder vielleicht gar Unternehmen gezwungen werden könnten den Impfstoff anderer herzustellen
Kann man die Unternehmen dann dazu verpflichten die für sie organisierten Produktionsstätten für eine beschleunigte Lieferung an DE/ die EU zu verpflichten?

Es fällt mir zunehmend schwer zu glauben das einem so mächtigem Land wie Deutschland nur eine abwartende Rolle zukommt. Dass es keine Optionen für Deutschland gibt hier aktiver einzugreifen um sich und dem Rest der Welt mit einer beschleunigten Impfstoffproduktion zu helfen.

Ich danke Ihnen für Ihre Zeit und freue mich über eine baldige Antwort bzw. dieses im Bundestag ernsthaft in Erwägung zu ziehen!

Beste Grüße
Gvz Ubssznaa

Frage von Gvz Ubssznaa
Antwort von Christoph de Vries
10. Februar 2021 - 10:18
Zeit bis zur Antwort: 1 Woche 5 Tage

Sehr geehrter Herr Hoffmann,

herzlichen Dank für Ihre Anfrage. Gern möchte ich Ihre Fragen beantworten und vor allem Stellung zur öffentlichen Darstellung nehmen.

Auch mir wäre eine Impfung heute lieber als morgen. Es wäre mir eine Freude, wenn ich Ihnen berichten könnte, dass bis Ende Februar alle geimpft sind und wir dann zum normalen Alltag zurückkehren könnten.

Dem ist aber nicht so und deshalb bedarf es noch etwas Geduld.

Normalerweise dauert die Entwicklung eines Impfstoffes mindestsens 3-4 Jahre. Die Bundesregierung hat 700 Mio. Euro in die Forschung investiert, damit ein Impfstoff gegen Corona schneller entwickelt werden kann. Das es nach einem Jahr so ein Erfolg ist, damit konnte niemand rechnen und dies ist schon sehr beachtlich.

Dieser Impfstoff basiert auf einem völlig neuen, noch nie dagewesenen Verfahren. Nicht jedes Pharmaunternehmen in Deutschland/Europa verfügt über die neuen technischen Mittel und das ausgebildete Personal, um den Impfstoff zu produzieren. Biontech hat seine Produktionslinie noch einmal erweitert, damit sie mehr produzieren können. Heißt aber auch, dass der Umbau einige Zeit in Anspruch genommen hat.

Das England, Russland und Amerika eher geimpft haben liegt daran, dass die europäische Zulassungsstelle die Impfstoffe für den europäischen Markt sehr genau geprüft hat, der vor allem dem Schutz und der Gesundheit der Impfpersonen dient. Ich halte das für die richtige Entscheidung

Derzeit verfügen wir über drei Impfpreparate, die die europäische Zulassung erhalten haben. Biontech/Pfizer, Moderna/NIAID und Astrazeneca/Uni Oxford. Grundsätzlich ist bei aller verständlichen Ungeduld zu bedenken, dass wir ad hoc weltweit Bedarf an Impfstoff haben, der aber erst vor wenigen Wochen zugelassen wurde und nur von drei Herstellern bislang überhaupt produziert wird. Der Impfstoff ist seit Dez. 2020 auf dem Markt. Seit dem produzieren die Pharmaunternehmen ununterbrochen 24h 7 Tage die Woche den Impfstoff.

Die Bundesregierung hat gemeinsam mit der EU entschieden, auf mehrere Hersteller zu setzten. Aus meiner Sicht eine richtige Entscheidung, da weitere Hersteller derzeit in der Zulassung sind und wir damit weitere Impfdosen in großen Mengen demnächst erhalten werden. Zum Zeitpunkt der Bestellung konnte aber niemand wissen, welches der Unternehmen in der Forschung um den Impfstoff das Rennen machen würde.

Auch ein russisches Preparat sowie ein weiteres deutsches Preparat der Firma CureVac ist derzeit in der europäischen Prüfung, so dass wir auch von dieser Seite Impfdosen erhalten werden. Besonders das deutsche Präparat gibt weiteren Grund zur Hoffnung, da das Herstellungsverfahren einfacher ist und es hier bereits die Zusage vom Bayer-Konzern gibt, mit einzusteigen und dieses Impfpreparat in großen Mengen produzieren zu können.

Sie sehen, es werden alle möglichen Impfstoffe in Betracht gezogen und ich kann Ihnen versichern, dass hinter den Kulissen große Anstrengungen unternommen werden, die Impfstoffproduktionskapazitäten in Deutschland zu steigern. Unabhängig davon werden wir im Frühling nach jetzigen Stand mit einer Auslieferung von rd. 77 Mio. Impfdosen eine deutliche Entspannung der Situation erleben. Wenn die pflegebedürftigen und die älteren Menschen geimpft sind, wird ein ganz wichtiger Schritt zur Bewältigung der Pandemie erreicht sein. Die vorhanden Impfzentren in Deutschland werden in wenigen Wochen in Volllast laufen. Die Kanzlerin hat heute noch einmal ihre Aussage wiederholt, dass im Laufe des Sommers jeder Bürger ein Impfangebot erhalten wird.

In Deutschland sind bislang rd. 3,3 Mio. Impfungen durchgeführt worden. Ich teile Ihre Sicht, dass dies weder ausreichend noch zufriedenstellend ist. Als großer Freund der Europäischen Union muss ich feststellen, dass die Bestellung über die EU-Kommission gewiss zu einer fairen Versorgung innerhalb Europas sorgt, aber in Hinblick auf Schnelligkeit und Effizienz die EU vielleicht nicht die beste Wahl war. Das liegt bei der erforderlichen Abstimmung zwischen 27 EU-Mitgliedsstaaten auf der Hand. Bei aller Unsicherheit im letzten Sommer über die weitere Entwicklung wäre es besser gewesen, mehr und schneller zu bestellen.

Wir müssen jetzt durch konsequentes Ordern bei den Pharmaunternehmen auch Druck aufbauen und konsequent sein. Schlagzeilen wie die von Astrazeneca, die bestellte Menge nicht liefern zu wollen/können, sind inakzeptabel und da wurde zu Recht auf EU-Ebene gehandelt, mit dem Ergebnis höher Lieferzusagen. Es kann nicht sein, dass in Europa produzierte Zusagen ins nicht-europäische Ausland geliefert werden. Hier werden wir nachsteuern und die Kontrollen verschärfen.

Auch in der Kommunikation mit den Ländern gibt es großen Nachholbedarf. Deshalb wurde auf dem Impfgipfel mit der Bundeskanzlerin ein klarer Fahrplan mit klaren Kommunikationslinien beschlossen. Ich hoffe sehr, dass dieser Fahrplan eine besseren Kommunikation nach außen beinhaltet und dieses Durcheinander mit den Impfzentren beendet werden kann.

Ich kann Ihnen versichern, dass die Impfstoffproduktion und die Impfversorgung der Bürger bei uns höchste Priorität hat.

Christoph de Vries, MdB