Portrait von Carsten Brodesser
Carsten Brodesser
CDU
92 %
45 / 49 Fragen beantwortet
Zum Profil
Frage von Frauke S. •

Wie viel wird pflegenden Angehörigen noch abverlangt? Pflege kostet aber muss auch bezahlbar sein. Ist überhaupt bewusst was Angehörige leisten (Arbeit und Kosten) trotz super teurem Heimplatz?

Meine Mutter, 85 Jahre alt, hat ihr Leben lang Steuern und in die Pflegesysteme eingezahlt. Jetzt bekommt sie 2889 Euro Rente. Sehr viel im Vergleich zu gleichaltrigen Frauen. Ich selbst habe Mama gepflegt bis es nicht mehr ging. Ich arbeite selbst immer vollzeit. Jetzt ist sie mit Pflegestufe 4 und 80 % Schwerbehinderung im Pflegeheim. Ich kümmere mich täglich um sie, zahle ihre Krankenkasse, Medikamente, Versicherungen und alles was anfällt (ca. 800 so wie 300 Euro für das Heim, obwohl ich keine 100000 Euro verdiene. Das Ersparte ist aufgebraucht...so viel zum Thema Schonvermögen und das Sozialamt weigert sich zu zahlen. Wir klagen, gut dass ich Mamas Rechtschutz weiter bezahle, gegen das Amt. Ich komme mir als deutscher Arbeitnehmer hier langsam mehr als verarscht vor. Warum wird das Thema Heimkosten nicht angegangen was Gebäudeinstandhaltung und Ausbildungskosten angeht? Warum werden die Gesamtkosten für Angehörige völlig ausgeblendet in der momentanen Diskussion?

Portrait von Carsten Brodesser
Antwort von CDU

Sehr geehrte Frau S.,

 

vielen Dank für Ihre Nachricht und dafür, dass Sie die bewegende Geschichte von Ihnen und Ihrer Mutter mit mir geteilt haben. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich den konkreten Fall Ihrer Mutter aus der Ferne und ohne Detailkenntnisse nicht rechtlich oder medizinisch bewerten kann.

Die soziale Pflegeversicherung (SPV) befindet sich derzeit in einer tiefen Krise und steht unter massivem finanziellem Druck. Seit einigen Jahren übersteigen die Ausgaben für Pflegeleistungen die Einnahmen aus den Beiträgen deutlich. Ohne konsequente gesetzliche Gegenmaßnahmen könnte die Pflegeversicherung bereits ab dem kommenden Jahr ihren Leistungsversprechen nicht mehr vollumfänglich nachkommen.

Ziel der aktuellen Reform ist es, das System finanziell neu zu ordnen und langfristig zu stabilisieren, ohne die Beitragszahler unaufhörlich weiter zu belasten. Gleichzeitig müssen wir die pflegerische Versorgung zukunftssicher aufstellen. Der demografische Wandel wird unsere Gesellschaft in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mit voller Wucht treffen, und das aktuelle Pflegesystem ist auf diesen stark steigenden Bedarf bisher unzureichend vorbereitet. Ohne Reformmaßnahmen wird für das Jahr 2027 ein Defizit von rund 7,5 Milliarden Euro erwartet, das im Jahr 2028 sogar auf über 15 Milliarden Euro ansteigen würde. Tendenz danach steigend.

Für mich und meine Fraktion steht völlig außer Frage: Pflegebedürftige Menschen und ihre pflegenden Angehörigen tragen schon heute eine unschätzbar große, oft übermenschliche Last. Heimplätze sind für viele kaum noch bezahlbar, und die gesellschaftliche Würdigung dieser schweren Arbeit kommt oft zu kurz. Unser Pflegesystem ist keineswegs perfekt. Doch wenn wir jetzt nicht die tiefgreifenden und notwendigen Reformen anstoßen, riskieren wir den Kollaps eines Systems, auf das wir alle angewiesen sind. Das kann und darf nicht in unserem Interesse sein.

Ihre Anmerkungen nehme ich in die noch kommenden parlamentarischen Beratungen mit.

 

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Carsten Brodesser

Was möchten Sie wissen von:
Portrait von Carsten Brodesser
Carsten Brodesser
CDU

Weitere Fragen an Carsten Brodesser