Was passiert mit ETFs im Altersvorsorgedepot, wenn ein Börsen-Crach den MSCI-World-ETF oder andere ETFs in ein nicht zugelassene Risikoklasse kapultiert?
Was passiert mit ETFs im Altersvorsorgedepot, wenn ein Börsen-Crach den MSCI-World-ETF in ein nicht zugelassene Risikoklasse kapultiert? Kommt es zum automatischen Verkauf mit Verlust oder hat der Gesetzgeber Bestandsschutz vorgesehen?
Sehr geehrter Herr C.,
eine Anlage im MSCI World ist als eine grundsätzliche Möglichkeit für ihr Altersvorsorge Depot möglich. Diese Entscheidung treffen sie persönlich und sollten sich auch über die entsprechenden Risiken der einzelnen Produkte, für die sie sich entscheiden, bewusst sein. Sie sind auch der Vertragspartner. Insgesamt gibt es sieben solcher Risikoklassen, wobei im Altersvorsorge-Depot maximal die Risikoklasse 5 zulässig ist. Die Fondsanbieter müssen sie für ihre Produkte nach Vorgaben der EU bestimmen und im Basisinformationsblatt ausweisen. Ihre Angst ist aber meines Erachtens unbegründet. Seit 1995 war der MSCI World in Euro meistens in der Risikoklasse 4, streckenweise sogar in der Klasse 3. Und dass trotz großer Krisen wie dem Dotcom-Crash 2001 oder der weltweiten Finanzkrise ab etwa 2008.
Auch in Krisen war er damit weit weg von der Risikoklasse 6. Nur in einzelnen Phasen rutschte er mal in die Risikoklasse 5, also von Risikoklasse 6 war er weit entfernt. Die Risikoklasse 6 wäre im AV-Depot verboten.
Könnte also ein schwerer Crash z. B. den MSCI World in Stufe 6 katapultieren; eher unwahrscheinlich (s.o.)! Würde dies aber tatsächlich passieren, müssten sie aus diesem ETF raus, bzw. ihr Anbieter würde automatisch verkaufen – bevor sich die Kurse erholen. Der Crash müsste deutlich größer als in vergangenen Krisen sein.
Im unwahrscheinlichen Fall, dass es dazu kommt, müsste sich der Anleger bei einem Standard-AV-Depot nach dem derzeitigen Stand um nichts kümmern.
Der Anbieter würde in passende Fonds umschichten. Es müsste ein Fonds aus den Stufen 4 oder 5 nachrutschen. Allerdings würden dadurch Kursverluste realisiert. immerhin müssten sie keine Kapitalertragssteuer zahlen, da das Umschichten im AV-Depot in der Ansparphase steuerfrei ist.
Was im normalen AV-Depot passiert, ist im Gesetzentwurf noch nicht genau geregelt. Also in der Variante, in der Sie ihre ETFs selbst auswählen. Hier könnte es so sein, dass sie nur nicht mehr neu in einen MSCI-World-ETF anlegen könnten, ihr bestehendes Investment aber nicht verkaufen müssen.
Das könnte unter Renditegesichtspunkten eine bessere Variante sein. Immerhin müssten sie dann keine Verluste realisieren – gerade in einer schweren Krise, wenn die Kurse ohnehin stark gefallen sind. Und sie könnten von einer späteren Erholung, die sich in der Regel immer anschließt, profitieren.
Entscheidend in Bezug auf die Altersvorsorge ist am Ende ein breit gestreutes Langzeitinvestment.
Mit freundlichen Grüßen
Carsten Brodesser

