Sehr geehrte Frau Wegge wie sieht Ihre Lösung aus, um das Rentenniveau langfristig zu sichern ,ohne die jüngere Generation übermäßig zu belasten ? Mit freundlichen Grüßen Ana
Sehr geehrte Frau S.,
vielen Dank für Ihre Frage. Die Rente muss sicher sein und zum Leben reichen, und zum anderen braucht es ein System, mit dem wir Beitragszahler*innen nicht weiter belasten. Der Beschluss zur Stabilisierung der Rente bis 2031 macht genau das und bedeutet für Millionen von Menschen Schutz vor Altersarmut. Die Diskussionen um das Gesetz waren keine Frage der Generationengerechtigkeit, sondern eine Frage der Verteilung zwischen Arm und Reich.
Allerdings wird mit dem demografischen Wandel und dem Renteneintritt geburtenstarker Jahrgänge eine einmalige Finanzspritze nicht ausreichen: Das Verhältnis zwischen Rentner*innen und Beitragszahler*innen wird sich weiter verschieben, und es wäre nötig, immer mehr Steuergelder für die Stabilisierung der Rente einzusetzen. Diese Gelder fehlen dann natürlich an anderen Stellen, deshalb brauchen wir eine Reform der Rente.
Immer wieder wird ein pauschal höheres Renteneintrittsalter gefordert, um die Rente zu stabilisieren. Solche Vorschläge sind ein Schlag ins Gesicht arbeitender Menschen. Wer eine Ausbildung gemacht hat und mit durchschnittlich 20 Jahren anfängt zu arbeiten, müsste 50 Jahre arbeiten. In körperlich anspruchsvollen Berufen ist das schlicht nicht möglich. Handwerkerinnen müssten Abschläge in Kauf nehmen oder sich kaputtarbeiten, um dann kaum etwas von der Rente zu haben. Mit den Vorschlägen von Union und neoliberalen Akteur*innen würde die Altersarmut zunehmen und die Lebenserwartung von Arbeiterinnen weiter sinken.
Die Lösung, die ich und die SPD präferieren ist weder eine Rentenkürzung noch eine längere Lebensarbeitszeit, sondern eine gerechte Rente, in die alle einzahlen. Wir müssen Selbstständige (wie Ärzt*innen, Anwält*innen und Architekt*innen) in die gesetzliche Rente einbeziehen, statt sie über die eigenen Rentenkassen der Berufsgenossenschaften abzusichern. Zudem muss das System des Ruhegehalts (Pension) für Beamt*innen und der Altersentschädigung für Abgeordnete überdacht und auch diese Gruppen in die allgemeine gesetzliche Rentenkasse eingegliedert werden.
Nur eine solidarische Rentenkasse für alle kann zukunftsfähig sein. Die Debatten zur Rente sind keine Konflikte zwischen Generationen, sondern Fragen von Gerechtigkeit und Umverteilung zwischen Arm und Reich.
Mit der Alterssicherungskommission, die wir mit der Mehrheit des Bundestags eingesetzt haben, befassen sich nun Expert*innen und Fachpolitiker*innen mit der Frage, wie wir die Rente langfristig reformieren. Ich bin auf die Ergebnisse gespannt und freue mich über Reformvorschläge. Wir werden uns als SPD immer für echte Generationengerechtigkeit und eine sichere Rente positionieren.
Mit freundlichen Grüßen
Carmen Wegge

