Welche Ideen haben Sie für eine zukunftsorientierte Kindertagesbetreuung, wenn mit sinkenden Kinderzahlen die Arbeitsplätze der pädagogischen Fachkräfte in Gefahr sind?
Liebe Frau Z.,
für mich ist klar: sinkende Kinderzahlen dürfen nicht automatisch zu einem Abbau pädagogischer Fachkräfte führen. Vielmehr sollten wir diese Entwicklung als Chance nutzen, die Qualität der Kindertagesbetreuung nachhaltig zu verbessern.
In den vergangenen Jahren haben viele Kitas unter Personalmangel, hohen Belastungen und einem unzureichenden Betreuungsschlüssel gelitten. Wo weniger Kinder betreut werden, können kleinere Gruppen, mehr individuelle Förderung sowie eine bessere Unterstützung von Familien ermöglicht werden. Gleichzeitig entstehen neue Aufgaben, etwa durch den Ausbau der Ganztagsbetreuung, die Förderung von Sprachkompetenzen und die stärkere Unterstützung von Kindern mit besonderen Bedarfen.
Gerade in den ostdeutschen Bundesländern und vor allem auch bei uns in Brandenburg, wo mein Wahlkreis liegt, müssen wir die besonderen Herausforderungen des ländlichen Raums im Blick behalten. Wenn Kitas aufgrund sinkender Kinderzahlen schließen, bedeutet das für Familien oft deutlich längere Wege. Das erschwert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und trifft häufig insbesondere Frauen, die nach wie vor einen großen Teil der Betreuungsarbeit übernehmen.
Umso wichtiger ist es, die vorhandenen Einrichtungen nicht nur zu erhalten, sondern ihre Qualität weiter zu stärken. Denn Kitas sind die erste Bildungseinrichtung im Leben eines Kindes und legen einen entscheidenden Grundstein für den späteren Bildungsweg. Bildungserfolg hängt in Deutschland noch immer zu stark vom Elternhaus ab. Wer mehr Chancengerechtigkeit erreichen will, muss deshalb bereits in der frühkindlichen Bildung ansetzen. Hochwertige Kitas fördern Sprache, soziale Kompetenzen und individuelle Entwicklung und stärken damit die Zukunftschancen von Kindern von Beginn an. Eine wohnortnahe Kindertagesbetreuung ist deshalb nicht nur eine Frage der Familienfreundlichkeit und Gleichstellung, sondern auch der Bildungs- und Chancengerechtigkeit.
Mir ist allerdings bewusst, dass viele Kommunen die damit verbundenen Kosten nicht allein tragen können. Deshalb braucht es eine faire Lastenverteilung bei der Finanzierung von frühkindlichen Bildungseinrichtungen. Gerade angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels wäre es kurzsichtig, heute Personal abzubauen, das morgen wieder gebraucht wird. Eine vorausschauende Politik sollte den demografischen Wandel nutzen, um die Qualität der Betreuung zu erhöhen, vorhandene Fachkräfte im System zu halten und ihre Kompetenzen für die Herausforderungen der Zukunft einzusetzen.
Freundliche Grüße
Andrea Lübcke

