TikTok, YouTube, X und Instagram

Machen Abgeordnete ihre Social Media Aktivitäten zu Geld?

AfD-Abgeordnete haben mit YouTube-Videos Geld kassiert, auch der britische Rechtspopulist Nigel Farage erhielt zehntausende Euro von Meta, Google und X. Wie handhaben es die Spitzenpolitiker:innen im Bundestag? 

von Tania Röttger, 16.04.2026
Collage mit Karl Lauterbach, Jens Spahn und Alice Weidel, die auf ihre Smartphones bzw. es zeigen. Auf dem goldenen Hintergrund Logos von Social Media Kanälen

Knapp eine halbe Millionen Follower:innen hat der britische Abgeordnete Nigel Farage auf seinem Youtube-Kanal. Der Gründer der rechtspopulistischen Reform-Partei (früher UKIP), prangert in seinen Videos an, dass die Werte Großbritanniens in Gefahr seien, oder zeigt sich, wie er in einem britischen Pub bejubelt wird. Wer seine Videos schaut, sieht dabei ab und zu auch Werbung – und daran verdient er gut.

Farage gibt in seiner Transparenz-Erklärung auf der Webseite des britischen Parlaments an, seit Beginn der Legislaturperiode im Juli 2024 Einkünfte von Google/Youtube (18.800 Pfund), X (24.300 Pfund) und Meta (2.800 Pfund) an. 

Erhalten auch deutsche Politiker:innen Geld von den Social-Media-Plattformen? Ja, wie eine aktuelle Recherche von RND zeigt. Demnach habe der AfD-Abgeordnete Stephan Brandner seit 2024 rund 15.000 Euro durch Werbung auf seinem Youtube-Kanal eingenommen, das bestätigte er dem neu-rechten Medium Junge Freiheit

Anfrage an Abgeordnete mit den meisten Follower:innen

abgeordnetenwatch hat in den vergangenen Wochen die zehn deutschen Abgeordneten des Bundestags mit den größten Followerzahlen angefragt (siehe Kasten unten), ob sie ihre Aktivitäten auf den Sozialen Netzwerken zu Geld machen. Bei niemandem von ihnen tauchen bisher solche Zahlungen in den veröffentlichten Nebeneinkünften auf. Auch bei Brandner war dies nicht der Fall, was ein Verstoß gegen das Abgeordnetengesetz sein könnte.

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Für die meisten Abgeordneten gehört es inzwischen zu ihrer Arbeit, ein Profil auf Plattformen wie Youtube, TikTok, X oder Instagram zu haben. Immer wichtiger werden die Profile für die Mobilisierung im Wahlkampf. Ein Beispiel ist Heidi Reichinneks Brandrede zum “Dammbruch” im Bundestag nach der gemeinsamen Abstimmung von Union und AfD über einen Antrag zur Migration Ende Januar 2025, wovon ein Ausschnitt auf TikTok acht Millionen Mal angezeigt wurde.

Alice Weidel, die Fraktionsvorsitzende der AfD, hat insgesamt die meisten Follower:innen – auf den Plattformen X, Instagram, TikTok, Facebook und Youtube kommt sie auf mehr als 5,8 Millionen. Es folgen Karl Lauterbach (SPD), Gregor Gysi und Heidi Reichinnek (beide Linke). 

Wie Plattformen zum Monetarisieren auffordern

Die meisten Politiker:innen antworten nicht auf die Anfrage, auch nicht nach mehreren E-Mails. So hatte abgeordnetenwatch gefragt, ob die Plattformen auf die Abgeordneten zugekommen seien, ob sie die Monetarisierungsfunktion aktuell oder in der Vergangenheit eingeschaltet hätten und ob sie Lobbykontakte mit den Betreibern der Plattformen pflegten. Alice Weidel, Jens Spahn, Olaf Scholz, Friedrich Merz, Karl Lauterbach und Tino Chrupalla reagierten darauf nicht.

Aus dem Büro von Gregor Gysi hieß es, er nutze die Monetarisierung nicht, allerdings werbe vor allem TikTok aktiv um darum. Immer wieder würden Benachrichtigungen aufploppen, etwa auf dem Desktop, und mit konkreten Zahlen auf die Möglichkeit von Einnahmen hinweisen. Dies klinge dann wie eine Einladung: Mit diesem Video könntest Du 2,35 Euro verdienen. Doch Gysi habe sich darauf nicht eingelassen.

Auch der AfD-Abgeordnete Martin Sichert, Platz elf im Ranking, kennt solche Aufforderungen. Er hat knapp 400.000 Follower:innen auf TikTok, Facebook und Instagram. Er antwortete, Meta sei bezüglich der Monetarisierung auf ihn zugekommen. Dies sei „relativ unspektakulär“ gewesen, nämlich per automatischer Notifikation. Er sei aber nicht darauf eingegangen.

Inzwischen ist klar, das andere aus seiner Fraktion genau dies getan haben. Laut RND soll es sich neben Brandner noch um ein bis zwei weitere AfD-Abgeordnete gehandelt haben.

Erlaubt wäre das in den meisten Fällen wohl nicht. Denn Abgeordnete dürfen mit ihrem Mandat, also etwa Reden im Bundestag, kein Geld machen. Das bestätigt die Bundestagsverwaltung auf Anfrage.

Auch die AfD-Fraktion hat sich inzwischen gegen die Praxis der Monetarisierung ausgesprochen. Allerdings mit einer Einschränkung. Laut Süddeutsche Zeitung rate der Fraktionsvorstand den Abgeordneten, „politische Videos nicht zu monetarisieren“. Das hieße, andere Inhalte könnten monetarisiert werden.

Mitglieder des EU-Parlamentes monetarisieren

Wie das aussieht, zeigen Abgeordneten aus anderen europäischen Ländern. Auf EU-Ebene gibt es mehrere, die Einkünfte von Social-Media-Aktivitäten erhalten. Etwa die beiden fraktionslosen Fidias Panayiotou (Zypern) und Alvise Perez (Spanien). Sie waren schon Influencer, bevor sie ins Parlament kamen. 

Panayiotou schreibt in seiner Transparenzerklärung, er habe zumindest “die Monetarisierung bei allen Videos ausgeschaltet, die mit meiner parlamentarischen Arbeit zusammenhängen.” Mit anderen Videos und gesponserten Inhalten verdient er nach eigenen Angaben 1.200 Euro pro Monat, die er von einem Unternehmen bekommt, die seine Accounts formal besitzt. Sein spanischer Parlamentskollege Perez erklärt, er erhalte monatlich 3.000 Euro von Meta, X und Youtube. Dabei gehe es um Mikrospenden von anderen Nutzenden, nicht um die Monetarisierung seines Accounts. 

Widersprüche bei Meta 

abgeordnetenwatch hat X, TikTok, Youtube und Meta angefragt, ob und wie viele deutsche Politiker:innen ihre Inhalte monetarisieren. Die ersten beiden antworteten gar nicht, Youtube verwies auf die Politiker:innen. 

Erstaunlich ist, wie Meta reagierte. Auf eine erste Anfrage von abgeordnetenwatch ließ der Konzern über eine Kommunikationsagentur mitteilen: „Wir haben strenge Regeln für die Berechtigung zum Monetarisieren: aktuell gewählte oder ernannte Amtsträger und aktuelle politische Kandidaten sind nicht berechtigt, auf unserer Plattform zu monetarisieren.“ 

Auf die Nachfrage, warum Nigel Farage offensichtlich doch Geld erhalten hat und auch deutsche Abgeordnete Notifikationen mit dem Hinweis auf die Möglichkeit der Monetarisierung von Meta erhielten, hieß es, dass die Option für diese Accounts abgeschaltet worden sei.

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