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Volkmar Vogel
CDU

Frage an Volkmar Vogel von Trbet Svfpure bezüglich Landwirtschaft und Ernährung

13. Januar 2020 - 08:53

Guten Tag Herr Vogel,

Mehrere tausend Patienten verlieren in Deutschland jedes Jahr aufgrund unwirksamer Antibiotika ihr Leben" (https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/multiresistente-keime-verursachen-in-europa-33-0000-todesfaellen-pro-jahr-a-1236984.html ).
Das ist eine humanitäre Katastrophe.
Jeder würde sich doch wünschen, dass ihm oder seinen Angehörigen geholfen wird, wenn er Hilfe benötigt. Dann können wir auch erwarten, dass sich jeder damit auseinandersetzt, ob er selber helfen will oder nicht, oder!?
Massentierhaltung forciert die Verbreitung von multiresistenten Keimen (MRSA) (https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2017-11/antibiotika-resistenzen-bakterien-massentierhaltung-medizin-keime) .

Menschen mit einem supprimiertem Immunsystem wie Organ/Gewebeempfänger sind den Keimen ausgeliefert, wie der Fall Wilhelm Beckmann geradezu idealtypisch aufzeigt.

Eine Lungentransplantation gab Hoffnung für den Bruder des Moderators. Sein Körper stieß das Organ ab und er musste in die Klinik zurück. ( https://www.bunte.de/stars/star-life/schicksalsgeschichten-der-stars/reinhold-beckmann-da-bricht-alles-sich-zusammen.html )
„Damit begann das Warten von vorn. Bis er die zweite Lunge erhielt, dauerte es wieder fast drei Monate“, erzählte Reinhold Beckmann. Weiter: Wilhelm fing sich sogenannte multiresistente Keime ein. „Mein Bruder besaß einfach keine Kraft mehr, den Keim zu besiegen. Die Ärzte sahen keine Chance, weil kein Antibiotikum anschlug." so Beckmann zur Bildzeitung ( https://www.bild.de/unterhaltung/leute/spricht-ueber-den-tod-seines-bruders-wilhelm-10727398.bild.html ).
Wilhelm verstarb.

Fragen:
Wie hoch ist die Anzahl von Transplantierten in Deutschland, die im Schnitt an Keimen versterben?

Sehen Sie sich als Politiker in der Schuld und Verpflichtung?

Setzen Sie sich im Namen gelebter Nächstenliebe dafür ein, Kranke vor einer Transplantationsoperation detailiert und schriftlich über die Risiken für ihr Leben zu informieren?

Vielen Dank.

Frage von Trbet Svfpure
Antwort von Volkmar Vogel
20. Februar 2020 - 10:49
Zeit bis zur Antwort: 1 Monat 1 Woche

Sehr geehrter Herr Svfpure,

in Ihrer Frage sprechen Sie verschiedene Punkte an.

Das Problem von Bakterien, die gegen Antibiotika resistent sind, ist in der Tat gravierend, aber es ist auch bereits erkannt worden. Das Bundesministerium für Gesundheit hat 2015 gemeinsam mit den Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft sowie Bildung und Forschung die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie „DART 2020“ erarbeitet.

Die DART 2020 bündelt Maßnahmen, die zur Reduzierung von Antibiotika-Resistenzen erforderlich sind. Dabei steht die sektorübergreifende Zusammenarbeit (One-Health-Ansatz) im Vordergrund. Um diesem One-Health-Ansatz gerecht zu werden, adressieren alle Ziele der DART 2020 Human- und Veterinärmedizin gleichermaßen. Auch auf internationaler Ebene ist Deutschland Selbstverpflichtungen eingegangen, weiter gegen Antibiotikaresistenzen vorzugehen. Der vierte Zwischenbericht zur DART 2020 kann unter diesem Link abgerufen werden: https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Tiergesundheit/Tierarzneimittel/DART-Zwischenbericht2019.pdf?__blob=publicationFile.

Der Vorwurf, Massentierhaltung führe zu Antibiotikaresistenzen, ist zu kurz gegriffen: Da, wo Antibiotika verantwortungslos eingesetzt werden, besteht tatsächlich entsprechende Gefahr. In Deutschland ist der Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung aus diesem Grund streng reglementiert.

Zur besonderen Gefahr von multiresistenten Keimen für Organtransplantierte und zur Frage der Aufklärung über die Risiken: Vor jedem operativen Eingriff, bzw. vor jeder Heilbehandlung müssen Ärzte in Deutschland die Patienten umfassend aufklären und über Risiken der Behandlung informieren, nicht nur bei Organtransplantationen. Eine Organtransplantation ist, mehr noch als viele andere Operationen, ein Eingriff, der mit leider mit Risiken behaftet ist. Arzt und Patient müssen gemeinsam abwägen, ob Nutzen und Risiko in einem angemessenen Verhältnis stehen.

Mit freundlichen Grüßen
Volkmar Vogel