Warum soll das SEZ in Berlin-Friedrichshain abgerissen werden? Ein wichtiges und architektonisch einmaliges Freizeitzentrum im östlichen Zentrum unser Stadt Berlin
Sehr geehrter Herr Schopf,sehr viele Menschen bemühen sich seit Jahren, dieses über Jahrzehnte vernachlässigte baulich einmalige Freizeitzentrum inmitten unserer schönen Stadt Berlin vor dem Abriss zu bewahren. Nun sollen einfach Tatsachen dadurch geschaffen werden, dass mit dem Abriss des SEZ einfach am 02. März 26 begonnen werden soll? Investoren wollen dort weiteren Wohnraum schaffen, obwohl dies eines der dichtestbesiedelten Gebiete Europas ist! Der angrenzende Stadtpark"Friedrichshain" ist besonders in den wärmeren Monaten bereits überlaufen, da sehr viel neuer Wohnraum in den letzten Jahren im nahen Umfeld geschaffen wurde und bietet dadurch weniger Erholung.
Damit unsere Stadt lebenswert bleibt, sollten jedoch genügend Freizeitmöglichkeiten und schöne Natur- und Stadtparks zentral erhalten bleiben, gerade in den am dichtesten besiedelten Gebieten. Die Erhaltung des SEZ wäre dafür wichtig!Vielen Dank für Ihr Verständnis.Mit freundlichen Grüßen,
Catrin Stock
(Berlinerin)
Hallo liebe Frau S.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihr Interesse an der Zukunft des SEZ. Gern erläutere ich Ihnen den aktuellen Stand.
Rückblick
Im Jahr 2003 wurde das Areal vom Senat für einen symbolischen Euro an einen privaten Investor verkauft – verbunden mit der Verpflichtung, den Badebetrieb wieder aufzunehmen. Diese Verpflichtung wurde nicht erfüllt. Nach einem langjährigen Rechtsstreit über die Nichterfüllung der Verträge wurde der Verkauf unter Federführung des damaligen Finanzsenators Matthias Kollatz rückabgewickelt. Seit 2024 befindet sich das Gelände wieder im Eigentum des Landes Berlin.
Bereits 2018 beschloss die damalige rot-rot-grüne Koalition unter Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher einen Bebauungsplan für das Areal, der den Bau von bis zu 500 Wohnungen ermöglicht. Dies geschah auch, um eine vertragswidrige Nutzung oder Umnutzung durch den damaligen Eigentümer zu erschweren. Ein Abriss des SEZ ist darin ausdrücklich nicht vorgeschrieben.
Ausblick
Berlin benötigt dringender denn je neuen, bezahlbaren Wohnraum – insbesondere in Landeshand. Es ist daher grundsätzlich richtig, auf dieser großen und verkehrlich gut erschlossenen Fläche auch Wohnungsbau zu realisieren. Dies setzt jedoch nicht zwingend einen vollständigen Abriss des bestehenden Gebäudes voraus.
Zu beachten ist allerdings, dass Senat und die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM als Eigentümerin auf Grundlage des seit 2018 geltenden Bebauungsplans grundsätzlich ohne weiteren Parlamentsbeschluss handeln können.
In der SPD-Fraktion setzt sich mein Kollege Mathias Schulz als zuständiger Sprecher dafür ein, den geplanten Abriss auszusetzen und eine zusätzliche Machbarkeitsstudie zu beauftragen. Geprüft werden soll insbesondere, inwieweit ein (Teil-)Erhalt des Gebäudes möglich ist und zugleich eine Bebauung mit 500 bis 650 Wohnungen sinnvoll umgesetzt werden kann. Uns sind mehrere städtebauliche Konzepte bekannt, die beides verbinden – daran sollte aus seiner Sicht angeknüpft werden. Eine solche vertiefte Prüfung liegt bislang nicht vor. Für einen entsprechenden Parlamentsbeschluss gibt es in der aktuellen Koalition derzeit noch keine Mehrheit.
Eine Wiederinbetriebnahme als Schwimmbad erscheint hingegen nicht realistisch. Im Bezirk entsteht mit der neuen Schwimmhalle an der Holzmarktstraße ein lang erwarteter Neubau. Zudem befindet sich in gut erreichbarer Nähe die Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE). Weder wurde ein zusätzlicher fachlicher Bedarf für ein weiteres landeseigenes Schwimmbad festgestellt, noch liegt ein tragfähiges Betriebs- und Finanzierungskonzept für einen Betrieb des SEZ in seiner früheren Form vor. Entscheidend ist daher die Frage, ob und wie mögliche Freizeit- oder Sportangebote dauerhaft eigenwirtschaftlich und ohne laufende öffentliche Zuschüsse betrieben werden können. Ohne eine realistische Betriebs- und Finanzierungsperspektive ist ein Erhalt politisch wie praktisch kaum umsetzbar.
Um die offenen Fragen öffentlich zu beraten, wird sich der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen am Montag, 2. März im Rahmen einer Anhörung mit dem Areal befassen. Die SPD-Fraktion unterstützt ausdrücklich den Wunsch nach größtmöglicher Öffentlichkeit. Über die organisatorische Umsetzung entscheidet allerdings die Parlamentsverwaltung.
In diesem Zusammenhang wurde mehrfach die Sorge geäußert, dass am selben Tag bereits mit dem Abriss begonnen werden solle. Nach den uns vorliegenden Informationen ist dies nicht vorgesehen. Geplant sind lediglich vorbereitende Maßnahmen zur Einrichtung der Baustelle sowie Arbeiten zur Schadstoffbeseitigung im Inneren des Gebäudes. Ein konkreter Beginn von Abbrucharbeiten wurde für diesen Termin seitens der WBM nicht angekündigt.
Es besteht weiterhin die Möglichkeit, einen vollständigen Abriss zu verhindern. An diesem Ort kann bezahlbarer Wohnraum entstehen und zugleich die Identität des Areals bewahrt bleiben. Ob und in welchem Umfang dies gelingt, muss fachlich sorgfältig geprüft und anschließend politisch entschieden werden.
Ich hoffe, meine Antwort trägt zur Klärung bei und macht die Komplexität der Situation deutlich.

