Warum ist es in Deutschland nicht möglich von einer Schulpflicht zu einer Bildungspflicht zu gelangen?
Sehr geehrter Herr Frei,
ich bin derzeit in die USA entsandt. Wir haben 4 Kinder im Heimunterricht über sechs Jahre unterrichtet. Die ältesten Kinder sind sehr selbständig und bringen sehr gute Noten nach Hause (Test finden trotzdem statt). Diese freiwillige Form der Erfüllung des Bildungsauftrags erlaubt unheimlich viel Freiheit, es spart öffentliche Ressourcen und ermöglicht der Familie die Zeit besser als Familie zu verbringen.
Warum scheut sich der Gesetzgeber so dieses Thema zu flexibilisieren? Warum überlässt man das Thema der AFD?
Wäre ich in Deutschland, würden die Schulpflicht meiner 5 Kinder meine eigen verfassungsmäßig geschützte Freizügigkeit für ca 25Jahre aushebeln. Eine Lockerung würde aus meiner Sicht einen Beitrag leisten Familien unter Ersparnis von HHM etwas entgegen zu kommen. Wichtig, es bliebe die Leistungsüberprüfung zu den Halbjahren. Warum nur ist in Deutschland der Weg zur Leistung wichtiger als das Resultat? Ist es Angst vor Ungleichheit und Privilegierung?
Sehr geehrter Herr K.,
in Deutschland haben wir -auch vor dem Hintergrund unserer Geschichte - aus guten Gründen eine Schulpflicht und nicht nur eine allgemeine Bildungspflicht. Die Schulpflicht stellt sicher, dass alle Kinder – unabhängig vom Elternhaus – Zugang zu qualifizierten Lehrkräften, strukturiertem Unterricht und sozialem Lernen in der Klassengemeinschaft haben. Eine reine Bildungspflicht, etwa mit Unterricht zu Hause könnte dazu führen, dass Bildungsstandards, Werte‑ und Demokratieerziehung oder der Schutz des Kindeswohls nicht überall gewährleistet sind. Schule ist zudem ein wichtiger Ort des Miteinanders; wenn wir das zu stark ins Private verlagern, riskieren wir Abschottung und Parallelgesellschaften. Ich halte das Prinzip der Schulpflicht für eine wesentliche Möglichkeit von Chancengerechtigkeit, sozialem Zusammenhalt und unserer Demokratie.
Mit freundlichen Grüßen
Thorsten Frei

