Sehr geehrte Frau Borchardt, der Kanzler nennt die GesundheitsReform beendet. Als Kinderpsychotherapeut mit 12 M Wartezeit frage ich: Akzeptieren Sie dieses Basta ohne Debatte, statt Kinder zu retten?
Lassen Sie mich die langfristigen Konsequenzen dieser Fehlsteuerung verdeutlichen: Die kurzfristigen Einsparungen, die das BMG durch regionale Budgetdeckelungen jetzt erzielen will, verlagern sich lediglich als Vielfaches in andere Sozialsysteme. Wenn junge Menschen aufgrund geschlossener Praxen nicht rechtzeitig behandelt werden, drohen Schulabbrüche, familiäre Eskalationen und teure Maßnahmen der Jugendhilfe. Chronifizierte psychische Krisen im Kindesalter bedeuten zudem immense Folgekosten für die Solidargemeinschaft im Erwachsenenalter, etwa durch Arbeitsausfälle und Frühverrentungen.
Als Berichterstatterin haben Sie im Gesundheitsausschuss einen entscheidenden Hebel. Wir fordern keine Privilegien, sondern schlicht die Sicherstellung unseres gesetzlichen Versorgungsauftrags: Die Psychotherapie jeden Alters muss zwingend von der Budgetierung ausgenommen bleiben. Bitte setzen Sie sich fraktionsintern dafür ein
Vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich verstehe, dass Sie als Kinderpsychotherapeut die geplanten Änderungen kritisch sehen und auf mögliche Folgen für die Versorgung hinweisen.
Gleichzeitig muss ich deutlich sagen: Die Debatte darf nicht so geführt werden, als ginge es allein um die Psychotherapie. Die gesetzliche Krankenversicherung steht insgesamt unter erheblichem finanziellem Druck. Wenn wir die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler nicht immer weiter belasten wollen, müssen alle Bereiche des Gesundheitswesens ihren Beitrag leisten. Dazu gehören Krankenhäuser, Krankenkassen, Arzneimittelversorgung, ärztliche Versorgung, Verwaltungskosten und auch die psychotherapeutische Versorgung.
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten erfüllen eine wichtige Aufgabe. Das steht außer Frage. Aber daraus folgt nicht automatisch, dass eine Berufsgruppe vollständig von jeder Reformmaßnahme ausgenommen werden kann. Wer eine solche Ausnahme fordert, muss auch sagen, wer stattdessen stärker belastet werden soll: die Versicherten, die Arbeitgeber, die Pflege, die Krankenhäuser, die Apotheken oder andere Leistungserbringer.
Gerade in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie sind lange Wartezeiten ein ernstes Problem. Dieses Problem lösen wir aber nicht allein durch immer höhere Ausgaben, sondern durch bessere Steuerung, klare Prioritäten, weniger Bürokratie, eine stärkere Vernetzung der Versorgung und eine gezieltere Ausrichtung auf tatsächlichen Bedarf. Es muss darum gehen, dass schwer belastete Kinder und Jugendliche schneller Hilfe bekommen, nicht darum, bestehende Strukturen pauschal von jeder Veränderung freizustellen.
Ich werde den Gesetzentwurf im parlamentarischen Verfahren sorgfältig prüfen. Dabei ist für mich entscheidend, dass Versorgung erhalten bleibt, Fehlsteuerungen vermieden werden und notwendige Behandlungen nicht ausfallen. Eine pauschale Zusage, die Psychotherapie jeden Alters zwingend vollständig von Budgetierung oder Ausgabensteuerung auszunehmen, kann und werde ich gegenwärtig aber nicht geben.
Die Union steht für eine leistungsfähige, solidarische und zugleich finanzierbare Gesundheitsversorgung. Dazu gehört auch, unbequeme Entscheidungen zu treffen. Reformen sind kein Selbstzweck, sondern notwendig, damit unser Gesundheitssystem auch künftig stabil bleibt.

