Können Sie mir eine Gelegenheit nennen, bei der ich mich mit Herrn Bundeskanzler Merz medienwirksam u. a. zu seinen Ansichten zum Thema Migration auseinandersetzen kann?
Zum Protest der Stipendiaten bei einer Veranstaltung der Deutschlandstiftung Integration haben Sie (zitiert nach spiegel-online.de) gesagt:
"Wenn es den Stipendiaten um Aufmerksamkeit ging, ist die Aktion gelungen. Aber von Studierenden, die allesamt Vorbilder für ihre oder jüngere Generationen und der Stolz der Generationen vor ihnen sind, erwarte ich eine andere Art der Kritik." Man drehe Menschen, mit denen man nicht einer Meinung sei, "nicht einfach den Rücken zu", sagte Güler. Von diesen Vorbildern erwarte sie, betonte die Christdemokratin, "dass sie den kritischen Diskurs, das Wort suchen".
Daher meine Bitte: Nennen Sie mir Gelegenheiten, bei denen ich mit Herrn Merz "den Diskurs" führen kann und zwar in einer Weise, dass er öffentlich so wahrnehmbar gemacht wird, wie die Äußerungen des Bundeskanzlers wahrnehmbar gemacht werden.
Sehr geehrter Herr S.,
vielen Dank für Ihre Nachricht.
Sie zitieren mich völlig richtig: Ich habe damals deutlich gemacht, dass ich von jungen Menschen, die aufgrund ihrer Leistungen und ihrer Biografie als Vorbilder wahrgenommen werden, eine andere Form der Auseinandersetzung erwarte. Mir geht es dabei nicht darum, das Recht auf Protest zu schmälern – das demonstrative Verlassen eines Raumes ist ein legitimes Mittel der Meinungsäußerung. Doch in einer Zeit, in der unsere Gesellschaft ohnehin an vielen Stellen auseinanderdriftet und das Zuhören immer seltener wird, halte ich das reine "Rückenkehren" für eine vertane Chance.
Es gibt zahlreiche Formate, in denen direkter Diskurs stattfindet: von den regelmäßigen Bürgerdialogen des Kanzlers über öffentliche Diskussionsrunden bis hin zu den Wahlkreisbesuchen und Fachkonferenzen der Unionsfraktion.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Serap Güler

