Sie beriefen sich am 10.07.2026 im Bundestag auf eine dena-Studie zu grünen Gasen. Was sagen Sie dazu, dass die von Ihnen zitierte Studie genau das Gegenteil zu Ihrer Rede aussagt?
In Ihrer Rede zum Gebäudemodernisierungsgesetz (Plenarprotokoll 21/90, S. 11162 ff.) sagten Sie, es gebe „fünf Studien, unter anderem von der dena", die „ausreichend Potenzial in Deutschland" sähen, um Biomethan, Biogase und Bioöle auf den Weg zu bringen.
Die dena-Studie „Potenziale für und Bedarfe von grünen Gasen und Ölen im Gebäudebereich" (05/2026) schreibt bereits auf S. 3 unter der Überschrift „Biogasbedarf übersteigt inländische Potenziale": Allein im Wohngebäudebereich bestehe 2045 ein Bedarf von rund 200 TWh – das Vierfache des inländisch erschließbaren Potenzials aus Abfall- und Reststoffen. Auch Wasserstoff werde mittelfristig kaum verfügbar sein, um die Grüngasquote zu erfüllen.
Das widerspricht Ihrer Aussage unmittelbar. Falls Sie die Studie gelesen haben: Wie erklären Sie diesen Widerspruch? Falls nicht: Warum zitieren Sie sie als Beleg?
Sehr geehrter Herr S.,
gerade die von Ihnen genannte dena-Analyse zeigt diesen differenzierten Befund. Sie weist ausdrücklich darauf hin, dass für die erste Stufe der sogenannten Biotreppe Biomethan ausreichend zur Verfügung steht. Zugleich sagt die Studie, dass der langfristige Bedarf im Jahr 2045 die inländischen Potenziale aus Abfall- und Reststoffen übersteigen kann, wenn sehr viele Menschen dauerhaft bei Gasheizungen bleiben und Sanierung sowie Wechsel zu anderen Technologien deutlich zu langsam verlaufen. Das ist kein Widerspruch zu meiner Aussage, sondern genau der Grund, warum wir Technologieoffenheit brauchen: Wärmepumpe, Fernwärme, Biomasse, Hybridlösungen, grüne Gase und künftig auch Wasserstoff dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Die dena selbst beschreibt die Lage also nicht mit „grüne Gase gibt es nicht“, sondern mit: Für den Einstieg reichen die Mengen, für den langfristigen Hochlauf braucht es klare Rahmenbedingungen, mehr Erzeugung, bessere Einspeisung, europäische Märkte und eine realistische Verteilung zwischen den Sektoren. In der Analyse wird für 2029 ein Bedarf im einstelligen Terawattstundenbereich genannt. Gleichzeitig wird das erschließbare heimische Biomassepotenzial allein aus Abfall- und Reststoffen mit mehr als 50 Terawattstunden beschrieben. Genau darauf bezieht sich die Einschätzung, dass der Einstieg in eine technologieoffene Lösung möglich ist.
Auch weitere Studien stützen, dass erhebliche Potenziale vorhanden sind. Eine DVGW-Studie zur zukünftigen Biomethaneinspeisung kommt zu dem Ergebnis, dass die heute eingespeiste Menge deutlich gesteigert werden kann: von rund 11 Terawattstunden im Jahr 2024 auf langfristig bis zu 117 Terawattstunden Biomethan jährlich ab 2045. Selbst unter restriktiveren Annahmen werden erhebliche zusätzliche Mengen gesehen.
Das Energiewirtschaftliche Institut der Universität zu Köln weist ebenfalls darauf hin, dass die Nachfrage stark davon abhängt, wie viele neue Gasheizungen langfristig eingebaut werden und wie sich der Wärmemarkt insgesamt entwickelt. In einem Szenario mit stärkerem Wärmepumpenhochlauf und den diskutierten Bioquoten liegt die Biomethannachfrage im Gebäudesektor bei knapp 40 Terawattstunden; bei Fortschreibung heutiger Gasheizungsraten kann sie deutlich höher liegen. Zugleich verweist das EWI auf europäische Biomethanpotenziale von 510 bis perspektivisch 714 Terawattstunden. Auch das zeigt: Entscheidend ist die Ausgestaltung, nicht eine pauschale Verengung auf nur eine Technologie.
Deshalb halte ich den Vorwurf, ich hätte die dena-Studie ins Gegenteil verkehrt, nicht für zutreffend. Richtig ist: Die Studie warnt vor Knappheiten, wenn man langfristig allein auf inländische Reststoffpotenziale und eine sehr hohe Gasnachfrage im Gebäudesektor setzt. Das tue ich aber gerade nicht. Das Gebäudemodernisierungsgesetz schafft keinen Zwang zur Gasheizung. Es eröffnet Optionen. Es verhindert, dass Bürger pauschal auf eine einzige Heiztechnologie festgelegt werden.
Genau darin liegt der Unterschied zum alten Heizungsgesetz. Wir schaffen mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz echten Klimaschutz, der Akzeptanz nicht einfordert, sondern ermöglicht. Klimaschutz gelingt nicht durch Misstrauen gegenüber Eigentümern, Familien und Handwerkern. Er gelingt, wenn Menschen nachvollziehen können, welche Wege ihnen offenstehen, welche Lösung zu ihrem Haus passt und wie sie bezahlbar umgesetzt werden kann.
Mein Ziel bleibt: Klimaschutz, Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit zusammenzubringen. Wer heute eine Wärmepumpe sinnvoll einbauen kann, soll das tun. Wer Fernwärme nutzen kann, soll diese Möglichkeit haben. Wer auf eine Hybridlösung, Biomasse oder perspektivisch klimaneutrale Gase setzt, soll ebenfalls nicht ausgeschlossen werden. Technologieoffenheit bedeutet nicht Beliebigkeit, sondern Realismus.

