Sebastian Staudenmaier
PIRATEN

Frage an Sebastian Staudenmaier von Qnavry Csrvy bezüglich Wirtschaft

13. März 2011 - 11:50

Hallo Herr Staudenmaier.

Ich bin bereits Piratenwähler. Ehrlich gesagt, habe ich mir aber das komplette Programm erst gestern einmal durchgelesen. Ich stehe eigentlich hinter den meisten Forderungen. Also Mitarbeiter in einem großen IT Unternehmen habe ich allerdings ein Problem mit dem Punk "Keine Patente auf Allgemeingüter". Evtl. können Sie mir diesen Punkt etwas erläutern?! Wir vertreiben sowohl eigene als auch fremd hergestellte Software. Wäre durch diese Forderung nicht mein gesamtes Geschäftsumfeld massiv gefährdet?

Ausserdem wollte ich mich noch informieren, was ich durch eine Parteimitgliedschaft bekomme? Also was habe ich im Endeffekt davon? Oder was bekomme ich dafür?

Vielen Dank schon einmal.

Gruß
Daniel Pfeil

Frage von Qnavry Csrvy
Antwort von Sebastian Staudenmaier
25. März 2011 - 17:31
Zeit bis zur Antwort: 1 Woche 5 Tage

Hallo Herr Pfeil,

um eventuelle Verwechslungen auszuschließen: Es geht hierbei nicht um den Urheberrechtsschutz von Software, sondern um die Patentierung der Software und der darin enthaltenen grundsätzlichen Logik an sich. Dies entspricht auch der derzeitigen Rechtslage in Deutschland, wo Software an sich nicht patentiert werden kann, außer sie kann "ein technisches Problem mit technischen Mitteln lösen". ( http://de.wikipedia.org/wiki/Softwarepatent#Deutschland ) Der Quellcode der entsprechenden Implementierung bzw. das fertige Softwareprodukt an sich sollen also urheberrechtlich geschützt blieben. Da man beim Programmieren beim Lösen eines Problems oft zwangsläufig auf ein Verfahren kommt, das auch schon andere verwendet haben, wären Patente auf Software höchst problematisch und fortschrittshemmend. Dies sieht man vor allem in den USA, beispielsweise derzeit bei den Videocodecs (WebM vs. MPEG-4 AVC), wo versucht wird, jegliche freien Alternativen durch Pools an Softwarepatenten zu unterbinden. Zusätzliche Probleme sind Trivialpatente (z.B. das One-Click-Patent von Amazon) und U-Boot-Patente.

Ihr Geschäftsfeld ist durch diese Forderung also nicht gefährdet, eher im Gegenteil resultiert daraus eine größere Rechtssicherheit. Im Gegensatz zu anderen Parteien, bei denen die meisten Abgeordneten Juristen sind, gibt es bei der Piratenpartei wahrscheinlich eher eine Mehrheit an Softwarentwicklern, die natürlich auch kein Interesse daran hätten, sich ins eigene Fleisch zu schneiden.

Viele Grüße
Sebastian Staudenmaier