Experten kritisieren die Ökonomisierung der Bildung durch Datenregister. Warum halten Sie an Selektion und privaten Einflüssen fest,statt die von der UN geforderte inklusive Schule für alle umzusetzen
Sehr geehrter Herr Kaczmarek, Aktuelle Pläne der KMK (Bildungsverlaufsregister, "Schulkompass") setzen verstärkt auf Datenerhebung und Output-Optimierung. Expertinnen wie Dr. Brigitte Schumann warnen, dass Bildung hierdurch ökonomisiert wird und das Menschenrecht auf individuelle Entfaltung (UN-Kinderrechtskonvention) auf der Strecke bleibt.Als langjähriger Nachhilfelehrer sehe ich die Folgen dieses Leistungsdrucks in der Praxis: Oft erhalten Kinder aus wohlhabenden Familien Nachhilfe, die diese kognitiv gar nicht bräuchten, nur um "Leistungsspitzen" zu sichern. Kinder aus ärmeren Familien, die Unterstützung bräuchten, gehen leer aus. Die soziale Schere geht so immer weiter auseinander.Es ist bedenklich, wenn private Akteure (wie die Wübben-Stiftung) Einfluss auf diese "Optimierung" nehmen. Wir brauchen keine bessere Vermessung der Schüler ("Gläserner Schüler"), sondern ein Ende der Selektion. Warum setzen Sie die UN-Forderung nach einer "Schule für alle" nicht um?

