Ole Thorben Buschhüter
Ole Thorben Buschhüter
SPD

Frage an Ole Thorben Buschhüter von Naar Xanhs bezüglich Verkehr

02. April 2020 - 10:35

Sehr geehrter Herr Buschhüter,
schon seit einer Weile verfolge ich die Entwicklungen rund um den Bahnhof Altona. Die Berichterstattung rund um die geplante Schließung ist erstaunlich dürftig. Ich habe schon das Gefühl, dass man da durch Ermüdung zu einem Ergebnis kommen will, dass schon in ein paar Jahren bitter bereut werden wird. Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass dieser Bahnhof NICHT GESCHLOSSEN wird.
Bahnhöfe an den städtischen Rand zu drängen, läuft der Grundidee des Bahnverkehrs zuwider. Ich möchte als Fahrgast nicht IRGENDWO ankommen, sondern im Zentrum. Ich will als Fahrgast auch nicht zig Mal umsteigen müssen, um mein Ziel zu erreichen.
Welchen Wert hat denn der Wohnungsbau, wenn die für ein gutes Leben nötige Infrastruktur fehlt? So ein Fernverkehrsanschluss ist immobilientechnisch bares Geld wert!
Entscheidungen, die Sie heute treffen, begleiten Sie (und dann letzten Endes die Generationen nach uns) die nächsten 100 Jahre und mehr. Denn der Raum, den Sie jetzt zubauen, der wird für die Nutzung durch Bahnverkehr nie wieder frei.
Deshalb ist es unverständlich, den Altonaer Bahnhof schließen zu wollen, obwohl es äußerst zukunftsfähige Alternativen gibt, die Infrastruktur und Wohnraum versöhnen und sogar noch mehr Wohnraum schaffen können, als bisher geplant (siehe den Vorschlag von Mario Bloem: https://www.youtube.com/watch?v=esGxM9dg--w). Wohnungsmangel gegen Infrastruktur auszuspielen ist also überhaupt nicht nötig.
Kleiner Exkurs: In Belgrad wurde der zentral gelegene Hauptbahnhof geschlossen - gegen Protest und ohne Einbezug der Bevölkerung. An seiner Stelle sollen (oder entstehen bereits) Luxuswohnungen entstehen. Der "neue" Bahnhof liegt ab vom Schuss und ist so gut wie nicht an das ÖPNV-Netz angebunden. Ich dachte immer, sowas könne nur in Bananenstaaten passieren. In Zeiten des Klimawandels so kurzsichtig zu handeln, den Bahnverkehr so gering zu schätzen. Bei allen Unterschieden: Ich sehe da Gemeinsamkeiten zwischen Belgrad und Hamburg. Und ich sehe einen Trend: Den Trend, unter dem Deckmantel der Wohnraumschaffung Investoreninteressen nachzukommen, indem man Bahnhöfe (also öffentliche Daseinsvorsorge) unter die Erde (Stuttgart, geplant München) oder an den städtischen Rand (Hamburg) verdrängt.
Ihre Aufgabe ist es, im besten Sinne der Bürger zu handeln. Die Bürger Hamburgs wollen Wohnraum UND eine leistungsfähige Infrastruktur. Der Vorschlag von Herrn Bloem verbindet beides miteinander.
Werden Sie sich für diesen Kompromiss einsetzen, der mehr Wohnraum schafft als das jetzige Konzept (wohnraumtechnisch wird es im Video ab Minute 40 interessant, es geht um 3000 statt der jetzigen 1900 Wohnungen)? Glauben Sie, dass ein kleiner dimensionierter Bahnhof (Diebsteich soll nur 6 Gleise haben, Altona hat 8) dem Ziel, öffentichen Verkehr auszubauen, um die Klimaziele zu erreichen, gerecht wird? Was sagen Sie zur Meinung einiger Experten, dass das eigentliche Nadelöhr im Hamburger Bahnnetz die unterdimensionierte Schieneninfrastruktur zwischen Hauptbahnhof und Altonaer Bahnhof ist? Wie stellen Sie sicher, dass in Zukunft nicht noch mehr Reisende den überlasteten Hauptbahnhof nutzen und den "neuen" Bahnhof Diebsteich links liegen lassen, weil er eben abseits liegt?

Freundliche Grüße
Anne Knauf.

Frage von Naar Xanhs

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