Frage an Norbert Brackmann von Urvare Ubyyngm bezüglich Finanzen

26. November 2012 - 21:43

Sehr geehrter Herr Dr. Brackmann!

Ich las heute im Hamburger Abendblatt den Artikel "Die Steuertricks von Apple und Amazon"
und habe den folgenden Leserbrief gechrieben:

Die Steuertricks von Apple und Amazon vom 26.11.12

Diese KRITiken passt leider in die Zeit - von A wie Apple bis Z wie Zumwinkel. Und ich bin sicher, dass außer den genannten auch viele unserer deutschen Konzerne ihre Steuerschuld runterrechnen.
Gut Herr Iken - kein Kaffee mehr von Starbucks, keine Bestellung über Amazon (die zahlen überdies ihren Angestellten unmoralische Niedrigstlöhne!) und statt bei Google kann man auch woanders gucken!
Aber unbedingt muss man es sie auch wissen lassen!
Und das geht per e-mail an die Betreffenden und/oder über Europa- und Bundestagsabgeordnete. Über z.B. Campact kann man auch seinen Protest artikulieren.

Nun die Frage an Sie: Ist geplant in der nächsten Zeit darüber zu diskutieren und zu befinden?

Frage von Urvare Ubyyngm
Antwort von Norbert Brackmann
06. Dezember 2012 - 07:33
Zeit bis zur Antwort: 1 Woche 2 Tage

Sehr geehrter Herr Hollatz,

vielen Dank für Ihre Frage.

In den letzten Wochen ist verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit geraten, dass internationale Großkonzerne die Unterschiede in der Steuergesetzgebung der verschiedenen Staaten nutzen, um ganz legal ihre Steuerlast niedrig zu rechnen. So werden von deutschen Tochterfirmen der Konzerne überhöhte Lizenzgebühren an andere Teile des Gesamtkonzerns gezahlt, die ihren Sitz zumeist in Ländern mit niedrigeren Steuersätzen haben. So wird ein Gewinn in Deutschland künstlich klein gehalten und in andere Länder transferiert.

Das Vorgehen macht deutlich, dass diesem Problem national isoliert nicht beizukommen ist. Einzelstaatliche Gesetzgebung hätte nur begrenzten Einfluss auf die Kapitalströme der Großkonzerne. Gerade in einem europäischen Binnenmarkt wären Ausweichreaktionen zu erwarten. Daher hat sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt, das Problem international anzusprechen. So machte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bereits im November auf dem G20-Gipfel deutlich, dass Deutschland hier Handlungsbedarf sieht. Auch die britische Regierung schreitet voran. Dadurch, dass das Problem viele große Wirtschaftsnationen beschäftigt, bin ich zuversichtlich, dass man in einem Beratungsprozess zu einer Einigung kommen kann, auch wenn dies eher in langer Frist geschehen dürfte.

Im Moment nutzen die Konzerne legale Unstimmigkeiten im internationalen Steuerrecht. Und so sehr eine schnelle Lösung wünschenswert wäre, kann nur durch eine in möglichst vielen Staaten akzeptierte Kooperation langfristig Abhilfe geschaffen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Norbert Brackmann