Portrait von Michael Link
Michael Link
FDP

Frage an Michael Link von Wraf Unua bezüglich Senioren

08. Januar 2020 - 12:17

Sehr geehrter Herr Link,

Umfragen zufolge will so gut wie niemand im Krankenhaus sterben.

Doch immer noch viel zu oft passiert genau das. Laut Deutschem Evangelischem Krankenhausverband (DEKV) sterben 77 Prozent der Deutschen entweder in einer Klinik oder im Pflegeheim.

Quelle: https://www.welt.de/vermischtes/article204152876/Tod-im-Krankenhaus-Warum-viele-sterben-wo-sie-nicht-sterben-wollen.html

Warum wird der offensichtliche Wunsch von sehr vielen Menschen ignoriert bzw. nicht automatisch erkannt und erfüllt?
Ist es aus Ihrer menschlichen Sicht nicht selbstverständlich, im eigenen Bett oder zumindest friedlich einschlafen zu dürfen?
Was können Sie als verantwortlicher Politiker für die Menschen tun?

Beste Grüsse
Hahn

Frage von Wraf Unua
Antwort von Michael Link
03. Februar 2020 - 17:00
Zeit bis zur Antwort: 3 Wochen 5 Tage

Sehr geehrter Herr Unua,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Sie schreiben, dass die meisten Menschen gerne friedlich im eigenen Bett einschlafen und sterben möchten. Das sehe ich ganz genauso.

Der eigene Tod ist ein äußerst sensibles Thema, über das nicht gerne gesprochen wird. Aber es ist ein wichtiges Thema, das wir auch in der politischen Debatte besprechen müssen. Es ist meiner Fraktion und auch mir persönlich ein wichtiges Anliegen, die Palliativmedizin und das Hospizwesen weiter auszubauen. Die meisten Menschen möchten zu Hause sterben. Wir sollten es deshalb Ihnen selbst überlassen, am Ende des Lebens einen eigenen und selbstbestimmten Weg zu gehen.

Deshalb sollte es in unserer politischen Diskussion neben der Neueinrichtung von Hospizen vor allem um die Palliativversorgung in Pflegeheimen sowie zu Hause gehen. Auch Pflegeheime können in den letzten Lebensjahren ein Zuhause geworden sein, insbesondere dann, wenn die Angehörigen nicht in der Nähe wohnen.

Wir sprechen uns als Fraktion der Freien Demokraten für eine flächendeckende Versorgung mit spezialisierter ambulanter Palliativversorgung (SAPV) durch vernetzte Teams aus Ärzten, Pflegekräften, Psychologen, Physiotherapeuten, Seelsorgern, Sozialarbeitern und ehrenamtlich Helfern aus. Schließlich geht es darum, den Sterbenden und ihren Angehörigen den Abschied vom Leben zu erleichtern. Hier haben wir trotz einiger Fortschritte noch viel Arbeit vor uns.

Die Frage nach Übertherapien in den letzten Lebenstagen in eine sehr schwierige. Es sollte selbstverständlich sein, dass Sterbende noch, wie in den von Ihnen beigefügten Zeitungsartikeln beschrieben, Chemotherapien bekommen oder sich überflüssigen Operationen unterziehen sollen. Andererseits sollten wir mit politischen Vorgaben sehr vorsichtig sein. Denn ganz schnell kommen wir bei der Frage an, wann eine Behandlung noch notwendig ist. Ich sage Ihnen ganz deutlich, dass diese Frage keine Frage des Geldes sein darf - weder in die eine Richtung (des Sparens) noch in die andere (der Abrechnungsmöglichkeit). Hier setzen wir eher auf bessere Aufklärung durch Ärzte und eine stärkere Betonung der Palliativmedizin in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Georg Link