Im Kandidierendencheck stimmten Sie zu: „Homöopathische Mittel sollen Kassenleistung bleiben". Wie begründen Sie das angesichts des GKV-Defizits von 6,2 Mrd. € (2024)?
Die GKV wies 2024 ein Defizit von rund 6,2 Milliarden Euro aus, die Reserven lagen bei nur 2,1 Milliarden Euro – deutlich unter der gesetzlichen Mindestreserve von 0,2 Monatsausgaben. Gleichzeitig gibt es einen breiten wissenschaftlichen Konsens, dass für homöopathische Behandlungen keine Wirkung über Placebo hinaus nachgewiesen ist.
Vor diesem Hintergrund bitte ich um Konkretisierung:
Meinen Sie eine verpflichtende Regelleistung oder nur freiwillige Satzungsleistungen einzelner Kassen?
Welche Evidenz (Leitlinien, Nutzenbewertungen) rechtfertigt aus Ihrer Sicht die Erstattung aus Beitragsmitteln?
An welcher Stelle würden Sie im Gegenzug kürzen oder Beiträge erhöhen, um die Mehrkosten zu finanzieren?
Ich stehe der Schulmedizin positiv gegenüber, allerdings darf sie nicht absolut gesetzt werden. Es mag richtig sein, dass die Wirkung von homöopathischen Arzneimitteln aus wissenschaftlicher Sicht denen von Placebos entspricht. Allerdings kann ich aus der Erfahrung heraus mit Blick auf mein eigenes Leben und mein persönliches Umfeld sagen, dass die Schulmedizin bei aller Berechtigung einem zu beschränkten Gesundheitsverständnis folgt. Nicht alles ist erklärbar und Energie und Psyche spielen eine große Rolle. Und die Menschen unterscheiden sich, ebenso Haustiere. Dass homöopathische Arzneimittel wirkungslos sind, kann ich auf diesem Horizont nicht sagen. Sie wirken aber nicht bei allen Menschen und bei ernsthaften Krankheiten halte ich Arzneimittel der Schulmedizin für die erste Wahl.
Dass homöopathische Arzneimittel nicht einfach nur wirkungslos und unsinnig sind, zeigt ja schon, dass einige Krankenkassen sie als freiwillige Satzungsleistungen anbieten. Das soll auch so bleiben. Der These, dass homöopathische Arzneimittel wirkungslos die Kosten der Krankenkassen in die Höhe treiben, liegt die falsche Verabsolutierung der Schulmedizin zugrunde. In meinem persönlichen Umfeld kann ich durchaus Beispiele nennen, wo die Verschreibung herkömmlicher Medikamente mit ihren Nebenwirkungen zur Einnahme weiterer Medikamente gegen die Nebenwirkungen geführt hat und am Ende ein ganzes Arsenal an Medikamenten auf dem Tisch stand. Das führt ebenso zu erhöhten Kosten wie die Tatsache, dass manche homöopathische Arznei keine Wirkung zeigt. Der größte Kostentreiber ist jedoch, dass einem ganzheitlichen Gesundheitsverständnis zu wenig Beachtung geschenkt wird. Ganzheitlich gesehen müsste viel mehr gegen schlechte Arbeitsbedingungen, ungesunden Lebensstil, Umweltgifte, Lärm und Lichtverschmutzung getan werden. Das würde die Kosten eher senken als die Abschaffung von homöopathischen Arzneimitteln als Kassenleistung.

