Mathias Wagner
DIE GRÜNEN

Frage an Mathias Wagner von Eüqvtre Tehuyr bezüglich Bildung und Erziehung

04. Januar 2008 - 00:14

Sehr geehrter Herr Wagner,

Im Landtagswahlkampf ist das Thema Bildung ein Thema besonders die Organisation des Schulwesens wird thematisiert.
Finnland gilt bei diesem Thema ja immer als Maßstab, besonders auch die Grundschulen dort gelten als vorbildlich.

Freunde von mir wohnen in Nürnberg und schicken Ihren Sohn dort für 230,- € im Monat auf die Jena Plan Ganztags- Grundschule, diese ist ähnlich wie in Finnland organisiert.
Das Pädagogische Konzept wird hier http://www.jenaplan.org/modules.php?name=Content&pa=showpage&pid=14
erläutert.

Wichtige Komponenten sind u.a. kleine Klassen, immer 2 Betreuer pro Klasse, kein Frontalunterricht.
Zum Beispiel sieht der Bayrische Lehrplan vor, daß man sich in der 2 Klasse mit einem Tier beschäftigt.
Hier kann sich in jeder Klasse immer ein Team, ca. 4-5 Schüler, ein Tier aussuchen und auch entscheiden wie es sich damit beschäftigen will.
Das Team mit dem Sohn meiner Freunde hat z.b. ein Kochbuch über einen Fisch erstellt.
Am Ende der Lerneinheit werden die Ergebnisse, von einem Kind pro Team, vor der gesamten Klasse vorgestellt.
Die beiden Betreuer beobachten und unterstützen die Kinder dabei.

Halten Sie solch ein pädagogisches Konzept für sinnvoll?
Falls ja, wann könnte so etwas in Hessen der Standart sein?

Frage von Eüqvtre Tehuyr
Antwort von Mathias Wagner
04. Januar 2008 - 08:20
Zeit bis zur Antwort: 8 Stunden 6 Minuten

Sehr geehrter Herr Gruhle,

haben Sie vielen Dank für Ihre Mail aus meiner Heimatstadt Friedrichsdorf.

Wir GRÜNEN wollen, dass sich auch in Hessen Schulen, dort wo Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer das wollen, stärker an dem pädagogischen Konzept der Schulen in Finnland orientieren können. Diese "Neuen Schulen", wie wir sie in unserem Wahlprogramm nennen, zeichnen sich durch folgende Kennzeichen aus:

* Keine Klasse mit mehr als 25 Schülerinnen und Schülern: In den Neuen Schulen, die sich für die pädagogisch aufwändigere Binnendifferenzierung statt für die äußere Differenzierung entschieden haben, wird die Klassenhöchstgrenze auf 25 Schülerinnen und Schüler gesenkt, um diese Arbeit zu unterstützen.

* Bedarfsgerechtes Ganztagsangebot: Die Neuen Schulen erhalten die notwendigen Mittel, um durch ganztägige Angebote pädagogische Freiräume zu eröffnen (u.a. durch eine andere Rhythmisierung des Unterrichts), auf die Stärken und Schwächen jeder bzw. jedes Einzelnen besser eingehen zu können und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern.

* Individuelle Förderung statt Querversetzung und sitzen bleiben: Anstelle dieser demotivierenden, pädagogisch weitgehend wirkungslosen und zudem teuren Instrumente tritt die individuelle Förderung jeder einzelnen Schülerin und jedes einzelnen Schülers.

* Vernetzung von Schule, Jugend- und Sozialarbeit: Schulträger, die am Landesprogramm Neue Schule teilnehmen wollen, müssen ein Konzept zur Kooperation vorlegen.

* Förderung von Risikogruppen: Unser Konzept sieht ab Klasse 5 eine regelmäßige Begleitung durch in den Schulalltag fest integrierte Sozialpädagoginnen und -pädagogen, Sozialarbeiterinnen und -arbeiter sowie Jugendberufshelferinnen und -helfer vor. Dies gilt insbesondere für Schülerinnen und Schüler, die zu der in der PISA-Studie definierten „Risikogruppe“ gehören.

Wir werden die Voraussetzungen dafür schaffen, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre die Hälfte aller weiterführenden Schulen in Hessen auf freiwilliger Basis diesen Weg einschlagen können. Ich möchte betonen, dass aus unserer Sicht eine solche Veränderung von den Schulen ausgehen und von ihnen getragen werden muss und nicht von oben verordnet werden kann.

Wir wollen, dass es Schulen nach finnischem Vorbild nicht ausschließlich bei Schulen in freier Trägerschaft mit dem von ihnen beschriebenen Schulgeld, sondern auch als Teil des staatlichen Schulangebots gibt. Bildung und Chancengerechtigkeit darf keine Frage des Geldbeutels der Eltern sein.

Gerne bleibe ich mit Ihnen über diese und weitere Fragen im Dialog.

Mit freundlichen Grüßen

Mathias Wagner