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Martina Feldmayer
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Frage von Jonas B. •

Wie stehen Sie zur Kürzung der Leistungen für Psychotherapie um 4,5% durch die Vertretter der Gesetzlichen Versicherungen?

Sehr geehrte Frau Feldmayer, ich bin Psychotherapeut, Gründer einer Praxis. Die aktuellen Honorarkürzungen von 4,5% treffen die ambulante psychotherapeutische Versorgung stark. Die Begründungen wirken fehlerhaft (Datenbasis 2024, Einkommensunterschiede zwischen Arztgruppen unberücksichtigt) und verschärfen eine bereits überlastete Versorgung. Viele Kolleginnen betreuen zur Entlastung der Lage bereits mehr gesetzliche Versicherte als vorgesehen. Um Praxen wirtschaftlich zu erhalten, steigt jetzt jedoch der Druck, Privat- und Selbstzahlerleistungen zu erhöhen. Psychologische Psychotherapeuten gehören zu den niedrigst vergüteten Ärzten (bis zu 50% unter dem Schnitt). Wissenschaftliche Daten zeigen wirtschaftliche Vorteile der Psychotherapie, dennoch fehlen Therapieplätze. Könnten Sie die Kürzungsentscheidung unter diesen Umständen erläutern?

Bitte:

Rücknahme der Abwertung im EBM, klare SGB-Regelungen zur angemessenen Vergütung.

Herzliche Grüße

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrter Herr B.,

ich kann diese Kürzungen weder nachvollziehen noch verstehen. 
Die gesetzlichen Krankenkassen wollen die Vergütung für Psychotherapie senken – um etwa 4,5 Prozent. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der psychische Erkrankungen immer weiter zunehmen. 

Psychische Erkrankungen sind nicht nur eine Belastung für die Betroffenen selbst, sie verursachen gleichzeitig  volkswirtschaftliche Schäden durch Arbeitsausfälle und Frühverrentung. Therapie ist also keine Luxusleistung – sie ist eine Investition in Gesundheit und gesellschaftliche Stabilität.

Schon heute warten Menschen vier bis fünf Monate auf einen Therapieplatz. In vielen Regionen sogar deutlich länger. Wenn die Vergütung weiter sinkt, wird es für Praxen wirtschaftlich schwieriger, Kassenpatientinnen und Kassenpatienten zu behandeln. Die Folge: Längere Wartezeiten, weniger Versorgung und eine stärkere Zwei-Klassen-Medizin. Wer Geld hat, findet schneller Hilfe. Wer gesetzlich versichert ist, wartet.

Psychotherapie ist kein Lifestyle, psychische Gesundheit kein Luxus und eine funktionierende Gesundheitsversorgung sollte kein Spielball kurzfristiger Sparpolitik sein.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meiner Antwort weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen, 

Martina Feldmayer 

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